TU Ilmenau will Geheimnis um Grenzschichten lüften
Wieso heizen sich Raumflugkörper beim Eintritt in die Erdatmosphäre auf? Weshalb verringert der Zusatz von Polymeren den Energieaufwand beim Transport von Erdöl durch Rohrleitungen um bis zu 40 Prozent? Warum bewegt sich ein Haifisch so rasant und geschmeidig durchs Wasser? Auf diese sehr unterschiedlichen Fragen gibt es eine gemeinsame Antwort: Weil Raketen, Rohre und Haie eine sogenannte Grenzschicht haben. Diese dünne Schicht umgibt alle sich bewegenden Objekte. Sie ist einer der Gründe dafür, dass für jede Fahrt mit dem ICE, dem Auto oder selbst mit dem Fahrrad Energie benötigt wird. Die Höhe des Energieaufwandes hängt dabei von vielen einzelnen Faktoren ab, zum Beispiel wie die Oberfläche des Körpers beschaffen ist, wie schnell und in welchem Medium er sich bewegt und ob sich seine Temperatur von der Umgebungstemperatur unterscheidet.
Ein Team von Wissenschaftlern der Technischen Universität Ilmenau will in den kommenden Jahren unter anderem die Frage nach der Universalität der oft nur wenige Millimeter starken Grenzschichten beantworten. Dem deutschlandweit agierenden Netzwerk gehören zudem Naturwissenschaftler und Ingenieure der Universitäten Cottbus, Marburg, Erlangen und des Max-Planck-Instituts Göttingen an. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt knapp 2 Millionen Euro für drei Jahre für das Forschungsvorhaben mit der Fachbezeichnung „Wandnahe Transport- und Strukturbildungsprozesse in turbulenten Rayleigh-Bénard-, Taylor-Couette- und Rohrströmungen“ bereit. Offizieller Start ist der 1. Januar 2010.
An der TU Ilmenau werden dann Mitarbeiter des Instituts für Thermo- und Fluiddynamik die Schichten am sogenannten „Ilmenauer Fass“ vermessen. In dieser weltweit einzigartigen experimentellen Anlage von acht Metern Höhe und sieben Metern Durchmesser lassen sich insbesondere Grenzschichten um erhitzte oder gekühlte Gegenstände mit hoher Präzision untersuchen. Indem die Wissenschaftler der Strömung winzige Teilchen zusetzen und deren Bewegung mit Hilfe von Laserstrahlen verfolgen, können sie selbst kleinste turbulente Strukturen innerhalb der Grenzschicht auffinden und deren Rolle beim Energietransport aufklären. Begleitet werden die Messungen durch aufwändige numerische Simulationen, die selbst auf den weltweit schnellsten Hochleistungsrechnern mehrere Monate Zeit in Anspruch nehmen werden. Am Ende ihrer insgesamt sechsjährigen Arbeiten werden die Forscher vielleicht auch die Geheimnisse um die Haifischhaut gelüftet haben. (Tu Illmenau)
» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen
Schreiben Sie einen Kommentar »
Online Bewerbung an der TU Illmenau
Mit dem Bewerbungsstart für das Wintersemester 2012/13 am 18. Mai führt die Technische Universität Ilmenau ein neues, komfortables Online-Portal ein. Alle Bewerberinnen und Bewerber mit deutscher Hochschulzugangsberechtigung, die ein Bachelorstudium anstreben, erhalten einen personalisierten Zugang zum Portal. Damit können sie…
TU Illmenau: Kooperation mit Volkswagen
Das Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft (IfMK) der Technischen Universität Ilmenau und der Automobilkonzern Volkswagen haben eine Kooperation geschlossen. Studierende des Studiengangs „Angewandte Medienwissenschaft“ werden künftig im Rahmen mehrerer Forschungsseminare gemeinsam mit Mitarbeitern von Europas größtem Automobilhersteller an aktuellen Fragestellungen…
Loveparade-Tragödie: Studie ermittelt Hauptschuldigen aus Sicht der Bürger
Am Sonntag wurde der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland per Abwahlverfahren seines Amtes enthoben. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis haben 129.833 Abstimmungsberechtigte bei der Frage, ob Sauerland sein Amt abgeben soll, mit „ja“ gestimmt. Dass über 85 Prozent der Abstimmungsberechtigten so…
TU Illmenau kooperiert mit taiwanesischem Unternehmen HTC
Die Technische Universität Ilmenau und der renommierte taiwanesische Hersteller von Mobiltelefonen und Tablet-Computern HTC haben eine Zusammenarbeit beschlossen. Im Sommersemester 2012 beteiligt sich die Universität an einem europaweiten studentischen Ideenwettbewerb, für den HTC neben der TU Ilmenau drei weitere Universitäten…
Innovative optische Pinzette greift Mikropartikel ohne Berührung
Die Technische Universität Ilmenau hat für die Entwicklung einer innovativen optischen Pinzette den renommierten Edmund Optics Research-Preis gewonnen. Die Pinzette greift, hält und positioniert Mikropartikel, ohne sie zu berühren. Das neue Verfahren, das von einer Forschergruppe des Fachgebiets Technische Optik…