Niklas-Luhmann-Gastprofessur für Professor Dr. Ulrich Oevermann
Professor Dr. Ulrich Oevermann wird vom 1. Dezember 2009 bis zum 5. Februar 2010 an der Fakultät für Soziologie und der Bielefeld Graduate School in History and Sociology der Universität Bielefeld die Niklas-Luhmann-Gastprofessur wahrnehmen und während dieser Zeit ein umfangreiches Lehrprogramm durchführen. Ulrich Oevermann gehört seit den späten sechziger Jahren zu den produktivsten deutschen Soziologen und gilt als Begründer der Objektiven Hermeneutik, einer Methode der empirischen Sozialforschung.
Oevermann ist Emeritus der Universität Frankfurt/Main.
Ulrich Oevermann (Jahrgang 1940) studierte zunächst in Freiburg Romanistik, Sprachwissenschaften, Ethnologie und Philosophie und kam dann nach Frankfurt. Seit 1968 arbeitete Oevermann am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und war gleichzeitig als Honorarprofessor in Frankfurt tätig. 1977 wurde er an das Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen. Seit 2008 ist Oevermann Emeritus.
Die Bildungs- und Sozialisationsforschung der sechziger Jahre eignete sich Ulrich Oevermann als wissenschaftlicher Assistent von Jürgen Habermas an. Seine soziologische Karriere begann er mit einer groß angelegten Untersuchung über den Zusammenhang von Sprache und sozialer Herkunft. Dabei kam er über die Rezeption der Linguistik und Soziolinguistik zu einer ganz eigenen Version von Strukturalismus, vielleicht der einzigen des Bourdieuschen Strukturalismus, die man in vollem Umfang der Soziologie zurechnen kann.
Prof. Dr. Ulrich Oevermann hat im Rahmen seiner sozialisationstheoretischen und familiensoziologischen Forschungen die Methodologie der Objektiven Hermeneutik seit 1969 entwickelt. Seit seiner Berufung nach Frankfurt a.M. auf eine Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialpsychologie hat er sich darum bemüht, diese Methodologie und die aus ihr ableitbaren Verfahren auf möglichst vielen Gegenstandsgebieten zu erproben und mit möglichst vielen Datentypen aus den Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften zu konfrontieren. Darüber hinaus hat er sich intensiv um eine Umsetzung dieser Methodologie in die Praxis, das
heißt in die klinische Soziologie und Sozioanalyse, bemüht. Seine wichtigsten Forschungsund Arbeitsschwerpunkte sind neben der Familiensoziologie und Sozialisationsforschung die Theorie der Professionalisierung, die Rekonstruktion von Deutungsmustern und Habituskonstruktionen, die Sprach- und Wissenssoziologie, sowie die Soziologie der Religiosität. 2001 gründete Oevermann das Institut für hermeneutische Sozial- und Kulturforschung e. V., dessen Vorsitzender er noch heute ist.
Die Fakultät für Soziologie und das Rektorat der Universität Bielefeld haben 2005 erstmals eine Niklas-Luhmann-Gastprofessur eingerichtet. Das Ziel: international renommierte Sozialtheoretiker zu gewinnen, um Studierenden und einer größeren akademischen wie außerakademischen Öffentlichkeit die Gelegenheit zu bieten, maßgebliche und innovative Theorien unmittelbar kennen zu lernen. Bisherige Gastprofessuren wurden vergeben an: 2008: Prof. Dr. Alois Hahn, 2007: Prof. Dr. Nils Brunsson, 2006: Prof. Dr. John W. Meyer und
2005: Prof. Dr. Harrison White. (Uni Bielefeld)
» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen
Schreiben Sie einen Kommentar »
Gesundheitliche Bedeutung städtischer Grünräume und Gewässer
“Alles im grünen Bereich?” fragen sich derzeit fünf Juniorforscherinnen und –forscher, die heute (21.11.2011) erstmals an der Universität Bielefeld zusammenkommen. Sie untersuchen die gesundheitliche Bedeutung städtischer Grünräume und Gewässer am Beispiel von Bielefeld und Gelsenkirchen. Das Forschungsprojekt wird von der…
Bielefelder Roboter Flobi und Barthoc im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum
Flobi und Barthoc, die zwei humanoiden Roboter des Exzellenzclusters „Cognitive Interaction Technology“ (CITEC) der Universität Bielefeld, sind zurzeit in der Ausstellung „Ferne Gefährten. 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen“ im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum der Weltkulturen zu sehen. Sie wurde von Bundespräsident Christian Wulff…
Suchmaschine für wissenschaftliche Dokumente
Die Bibliothek der Universität Bielefeld hat für ihre Studierenden und Wissenschaftler eine der weltweit größten Suchmaschinen entwickelt, die ihnen Zugang zu frei im Netz verfügbaren wissenschaftlichen Dokumenten ermöglicht. Sie reagiert damit auf die Herausforderungen durch sinkende Bibliotheks-Etats und zunehmende Digitalisierung….
Professor Dr. Gert Rickheit verstorben
Im Alter von 69 Jahren ist am gestrigen Montag der ehemalige Rektor der Universität Bielefeld, der Linguist und Psycholinguist Professor Dr. Gert Rickheit, unerwartet verstorben. Rickheit lehrte seit 1978 an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld und…
Ausstellung “Leitern der Unendlichkeit” von Jürgen Heckmanns
Nachdem die „Leitern der Unendlichkeit“ zu Beginn des Jahres in der Berliner „Galerie Ei“ zu sehen waren, entwirft der Künstler Jürgen Heckmanns jetzt eine Rauminstallation seiner papiernen Werke in der Universität Bielefeld. Hier lehrte er von 1980 bis 2003 im…