Flexibilisierungsstrategien für kleine und mittlere Unternehmen
In Zeiten von Wirtschaftskrise und Einsparungszwang suchen Unternehmen immer mehr nach Möglichkeiten, um einerseits die Produktivität zu halten und andererseits an geeigneten Stellen zu sparen. Deshalb ist eine hohe Flexibilität in den Firmen wichtig. Großunternehmen haben ihre Strategien, um der Krise entgegenzuwirken. Jedoch tun sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schwer, flexibel und dennoch stabil darauf zu reagieren. Deshalb erforscht die Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb der Technischen Universität Chemnitz derzeit Flexibilisierungsstrategien für kleine und mittlere Unternehmen.
“Gerade in der heutigen Zeit schultern maßgeblich diese KMU die Volkswirtschaft der Bundesrepublik. Sie machen 99,5 Prozent der gesamten Unternehmen in Deutschland aus und stellen 60,6 Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung. Dabei erwirtschaften sie 53,2 Prozent der Bruttowertschöpfung”, berichtet Prof. Dr. Egon Müller, Inhaber der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb, und ergänzt: “Auf Grund der hohen Wettbewerbsintensität und des ständigen Weiterentwicklungsdrucks im immer globaleren Markt werden gerade von diesen Firmen Anpassungen erwartet. Neue und verbesserte Technologien sowie die soziale und demografische Entwicklung der Gesellschaft setzen den Unternehmen stark zu. Denn KMU können meist nur zeitversetzt darauf reagieren.” Während Großunternehmen in der Regel zu Flexibilisierungsstrategien greifen, um diesem Veränderungsdruck gerecht zu werden, nutzen KMU solche Strategien nur punktuell und eingeschränkt.
Ziel des Projektes ist die Erforschung von Flexibilisierungsstrategien, die industrielle KMU nutzen können, ohne dabei auf Stabilitätsaspekte verzichten zu müssen. Im Ergebnis soll ein ganzheitliches Konzept geschaffen werden, das Empfehlungen zu geeigneten Strategien ausspricht. Neu an diesem Projektansatzes ist, dass stabilitätsförderliche Faktoren bei der Auswahl von betrieblichen Flexibilisierungsstrategien berücksichtigt werden. Die Forscher greifen dabei auf Strategien zurück, die sich bei KMU bereits bewährt haben oder die bisher nur von Großunternehmen genutzt wurden und jetzt auf die wirtschaftlichen Bedingungen von KMU angepasst werden. Doch nicht jede Strategie ist für jedes Unternehmen anwendbar. “Eine Flexibilisierung darf nicht um jeden Preis durchgeführt werden. Im Vordergrund müssen immer Stabilitätsaspekte stehen”, sagt Prof. Müller, Leiter des Projektes. Deshalb entwickeln die Wissenschaftler Analysemethoden und -werkzeuge, die KMU vor dem Hintergrund von Stabilität und Flexibilität eine richtige Auswahl treffen lassen.
Das Projekt besitzt mit dem RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V.) Berlin-Brandenburg, dem RKW Sachsen, dem RKW Sachsen-Anhalt und dem VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.) Landesverband Ost starke Partner. Unter diesen vier Industrieverbänden gruppieren sich mehr als 100 Unternehmen, die indirekt am Projekt beteiligt sind. Außerdem bestehen im Rahmen der EU-geförderten Coordination Action WORK-IN-NET internationale Partnerschaften mit den Universitäten Helsinki und Bologna.
Das Forschungsprojekt mit dem Titel “KMUflex – Stabilitätsförderliche Flexibilisierungsstrategien in industriellen KMU-Kompetenzzellen” wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäische Sozialfonds (ESF) von 2009 bis 2013 mit insgesamt 2,2 Millionen Euro gefördert. Es ist Teil des BMBF-Forschungs- und Entwicklungsprogramms “Arbeiten – Lernen – Kompetenzen entwickeln”. An der TU Chemnitz wurden fünf neue Arbeitsstellen geschaffen. (TU Chemnitz)
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