2. Februar 2010, TU Chemnitz

Spielerisch Mathematik erlernen

In vielen Schülern steckt eben doch ein Spielmatz. Das legt zumindest der große Erfolg der “spielMATHz”-Kiste nahe, die 2008 als Teil des Chemnitzer Beitrages zur bundesweiten Initiative “Mathematik vernetzen” entwickelt wurde. Mitarbeiter der Professur Algorithmische und Diskrete Mathematik der Technischen Universität Chemnitz hatten sich im damaligen Jahr der Mathematik mit Mathematikern aus der Region zusammengesetzt, um nach Möglichkeiten zu suchen, mehr junge Menschen für ihr Fach zu begeistern und ein regionales Netzwerk zwischen Universität und Schulen aufzubauen. Die dabei entstanden Projekte erreichten nicht nur den ersten Platz im Wettbewerb, sondern verstehen es auch, Schülern aller Altersklassen und Schularten Mathematik dauerhaft schmackhaft zu machen.

Für die Gymnasiasten und Mittelschüler wurde der nun jährlich stattfindende Lernplakat-Wettbewerb Mathematik ins Leben gerufen, bei dem es gilt, mathematische Themen anschaulich darzustellen. “Damit wollen wir vor allem auch Schüler ansprechen, die eigentlich mit Mathematik weniger am Hut haben, aber die beispielsweise künstlerisch begabt sind. Das hat auch funktioniert. Es sind zum Beispiel sehr gute Beiträge aus Schulen gekommen, die in Mathe-Olympiaden nicht so gut abschneiden”, erzählt Dr. Frank Göring, Mitarbeiter der Professur Algorithmische und Diskrete Mathematik. Die drei schönsten Plakate pro Schultyp werden mit Preisgeldern prämiert, die der Förderung der Mathematikausbildung an den Gewinnerschulen zugute kommen soll. Im Jahr 2009 durften erstmals auch Grundschulen am Wettbewerb teilnehmen.

Das zweite große Projekt, das vor allem Grundschüler behutsam an die Mathematik heranführen soll, ist die “spielMATHz”-Kiste. “Kinder haben ja eigentlich ein gutes Abstraktionsvermögen – immerhin sind sie in jungen Jahren imstande, eine Sprache zu lernen. Allerdings geht diese Fähigkeit über die Jahre bis zum ersten Mathematik-Unterricht verloren, was vielleicht auch daran liegt, dass die einfachen Spiele, bei denen man Denkweisen lernt, kaum noch gespielt werden”, erklärt Göring.

Gemeinsam mit Familie Fenrich vom Museum für Kinder (MufKi) und Ralph Sontag von der Mathe-Insel der Grundschule Harthau haben die Mathematiker der TU Chemnitz also eine Sammlung von ebendiesen einfachen Spielen zu fünf mathematischen Teilgebieten
zusammengestellt: Wahrscheinlichkeit, räumliche Vorstellung, Mengenlehre und Beobachtung, Logik und Strategie. “Damit können wir den Kindern verschiedene Bereiche des Denkens, Erkennens und Abstrahierens spielerisch vermitteln, sodass sie quasi gar nicht merken, dass sie Mathematik machen, aber trotzdem die Fähigkeiten trainieren, die sie dafür brauchen”, so Göring.

Jeweils eine dieser “spielMATHz”-Kisten wurde an die Medienstellen Freiberg, Zwickau und Plauen und zwei an die Stadtmedienstelle Chemnitz überreicht, wo sie von den Schulen des Regierungsbezirks ausgeliehen werden können. Ein Angebot, das großen Zuspruch findet.
“2009 waren die Kisten mitunter mehrere Monate im Voraus ausgebucht.

Die Grundschule Reinsdorf bei Zwickau hatte es dabei besonders auf die spielMATHz-Kiste abgesehen”, berichtet Göring. “Die Schule hätte die Kiste nicht nur gern hin und wieder ausgeliehen, sondern auch zum regelmäßigen Gebrauch möglicherweise beim Ganztagsschulangebot integriert. Auf jeden Fall wurde dann gedrängelt, bis sich Frau Fenrich vom MufKi bereitgefunden hat, eine weitere solche Kiste zusammenzustellen – dann allerdings auf Rechnung der Grundschule.”

Die große Beliebtheit der “spielMATHz”-Kiste hängt sicher auch damit zusammen, dass sie nicht nur die Spiele, sondern auch genaue, auf Kinder zugeschnittene Anleitungen enthält, sodass die Lehrer bei deren Verwendung im Unterricht einen relativ geringen Vorbereitungsbedarf haben. “Lehrer können sich dann während des Spielens voll auf das konzentrieren, worauf es bei einem Lehrer ankommt, nämlich auf die Interaktion mit den Schülern. Sie stehen bereit, um bei Problemen mathematische Tipps zu geben, wie man mit dem jeweiligen Spiel am besten zurande kommt und brauchen sich ansonsten kaum mit Vorbereitungsarbeit zu belasten”, weiß Göring.

Als Weiterführung des Projektes wurde im Oktober 2009 die “bastelMATHz”-Kiste vorgestellt. Die von Claudia Fenrich (MufKi) in Zusammenarbeit mit der Professur Algorithmische und Diskrete Mathematik entwickelte Kiste enthält zahlreiche Bastelanleitungen, geometrische Experimente und graphische Malspiele, die zur Beschäftigung mit mathematischen Themen anregen. Über die Stadtmedienstelle Chemnitz, die Medienstellen Freiberg, Zwickau und Plauen und das Medienpädagogische Zentrum Annaberg Buchholz können Schulen die bastelMATHz Kiste ausleihen. Alternativ kann jeder ebenfalls außerhalb des Klassenzimmers den Inhalt der Kiste nutzen.
Wie auch der Inhalt der spielMATHz Kiste, sind alle Anleitungen und Vorlagen aus der bastelMATHz Kiste online zugänglich und ausdruckbar.
“So haben also auch Eltern, die ihre Kinder ein bisschen fördern wollen, eine Anregung, mal gemeinsam mit ihnen etwas zu basteln”, erklärt Göring. (TU Chemnitz)



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