Orchesterkonzert mit Werken amerikanischer Komponisten
Zu einem Orchesterkonzert mit Werken ausschließlich amerikanischer Komponisten lädt das Universitätsorchester Konstanz zum ersten diesjährigen Universitätskonzert am kommenden Montag, 8. Februar 2010, ins Audimax der Universität ein. Beginn ist um 20.15 Uhr.
Der Beginn eines ganz eigenen und doch von Europa beeinflussten Tones in der amerikanischen Kunstmusik ist eng verbunden mit Antonín Dvořáks berühmter, in den USA entstandenen Sinfonie “Aus der Neuen Welt”.
Fortgeführt wurde diese Linie jedoch von der nachfolgenden Generation junger amerikanischer Komponisten, unter denen Charles Ives, Samuel Barber und Aaron Copland die sicher bekanntesten und einflussreichsten sind. Das Programm, das das Uniorchester unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Peter Bauer im zurückliegenden Semester erarbeitet hat, steht daher bewusst – auch ohne Dvořáks Erfolgssinfonie – ganz unter dem Titel “Aus der Neuen Welt”.
Mit zwei kurzen Sätzen aus Aaron Coplands erfolgreichem Ballett “Billy the Kid” entführt das Orchester seine Zuhörer gleich zu Beginn des Konzertes in die Welt des amerikanischen Westens am Ende des 19.
Jahrhunderts, denn sowohl im stimmungsvollen Satz “Prairie Night” als auch im kurzen schwungvollen “Celebration Dance” verarbeitet und verfremdet Copland mit viel musikalischem Witz und kompositorischer Kunst zwei traditionelle Cowboy-Melodien.
Gewichtiger, ernster und weniger vordergründig “amerikanisch” gibt sich danach das erste der beiden Hauptwerke des Programms, das Violinkonzert op.14 von Samuel Barber, mit der Konzertmeisterin der Südwestdeutschen Philharmonie, der überragenden Geigerin Kyoko Tanino als Solistin. Auf zwei wunderbar elegische Sätze mit schönen Violinkantilenen folgt in diesem Werk, einem der populärsten Solokonzerte des frühen 20. Jahrhunderts, ein kurzes furioses Finale, in dem die ganze Virtuosität der Solistin gefordert ist.
Die nachfolgende Symphonie Nr. 2 von Charles Ives, sein erstes voll ausgereiftes großes Orchesterwerk, das bereits in den Jahren 1900 bis
1902 komponiert, aber erst 1951 durch Leonard Bernstein erstmals aufgeführt wurde, zeigt schon alle charakteristischen Züge dieses so berühmten und dennoch so unbekannten Komponisten. Stil, Struktur und Gestus der großen fünfsätzigen Symphonie stammen unüberhörbar von den Orchesterwerken eines Brahms, Dvor(ák oder Tschaikowsky ab, während das thematische Material deutlich Ives amerikanische Wurzeln erkennen lässt.
Vor allem aber zeigt sich bereits in diesem Werk des 26-jährigen Ives dessen Lust am Experiment, an der Durchbrechung der Konventionen und seine innovative Unbekümmertheit im Umgang mit den Regeln der Komposition. Da werden hochromantische expressive Streicherpassagen plötzlich von einem grellen Militärmarsch von Pikkoloflöte und kleiner Trommel durchbrochen, oder breit fließende Melodik im Stile Brahms? wird durch zunehmende Überlagerungen verschiedener Rhythmen und Tonarten in grandiosen Tumult getrieben. Nicht ohne Grund gilt Charles Ives trotz der noch immer seltenen Aufführung seiner Werke als einer der interessantesten Komponisten Amerikas. (Uni Konstanz)
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