8. Februar 2010, Personalien, Uni Bayreuth

Professor Heymo Böhler geht in den Ruhestand

26 Jahre lang war er an der Universität Bayreuth tätig: Jetzt hat Professor Dr. Heymo Böhler (Betriebswirtschaftslehre III/Marketing) seine letzte Vorlesung gehalten. Im Audimax vor mehreren hundert Studierenden. Ein paar Augenblicke lang war ihm die Rührung anzusehen.

Böhler erinnert sich genau an die Zeit zum Jahreswechsel 1983/1984: Vier Tage nach seiner Habilitation in Köln erreichte ihn der Ruf aus Bayreuth. Böhler setzte sich ins Auto, Winter war’s und er rutschte auf Sommerreifen in die Stadt, in der er bleiben sollte, doch erst einmal gar nicht wollte. Das Wetter, die damalige Abgelegenheit der Stadt – „ich dachte mir, hier bleibst Du nicht lange“, lacht Böhler heute.

Dass er geblieben ist, hat er keinen Tag lang bereut. An der RWTH Aachen hatte er das Fach Betriebswirtschaftslehre mit eingeführt, danach dasselbe noch mal an der Universität zu Köln getan. Aufzubauen war Böhler also gewöhnt, als er nach Bayreuth kam und die Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit zu ihrer heutigen Bedeutung führte. Von glücklichen Zeiten erzählt Böhler, wenn er auf seine Anfangsjahre an der Universität Bayreuth zurückblickt. „Wir jungen Professoren waren damals wirklich ein grandioses Team. Wir waren etwa gleichaltrig, gleich gestellt und gleich gesinnt“, sagt Böhler. Und: Man hat dieses Team nicht hängenlassen. „Wir können uns unter dem Strich nicht beschweren: Sowohl die Universität als auch der Freistaat haben uns unterstützt.“

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, das steht für den Marketing- Professor außer Frage, ist und bleibt eine Erfolgsstory. Manchmal vielleicht sogar etwas zu erfolgreich: Mit 30, vielleicht 40 Studierenden pro Vorlesung hat er angefangen, in Spitzenzeiten waren es dann auch schon mal 900 im Audimax. So vielen jungen Menschen gerecht zu werden, das ist hart. „Hart auch an der Grenze zum Entertainment“, sagt Böhler mit seinem schelmischen Grinsen. „Man will ja schließlich nicht, dass einem die Hälfte der Studenten nicht mehr zuhört. Dann ist man ein wenig wie Gottschalk – ohne Kulmbacher Akzent.“

Böhler hat eine Menge Preise für seine gute Lehre bekommen und die mehr als 10.000 Studierenden, die bei ihm in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten gelernt haben, attestieren ihm: Böhler ist immer Mensch geblieben, darauf kam es ihm und kommt es ihm immer noch ganz besonders an. Bis zum 31. März sitzt er weiterhin jeden Tag an seinem Schreibtisch, korrigiert und prüft. Davon halten ihn auch gesundheitliche Probleme nicht ab. Kein Studierender, sagt Böhler, soll durchs Raster fallen. Seine Studenten hätten schließlich mit ihm geplant. Viele wollten und werden bei ihm ihr Examen ablegen.

Der 65-Jährige ist auch außerhalb der Universität Bayreuth eine hoch angesehene Persönlichkeit. Über Jahre hinweg war er Präsident des Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft an der Universität Bayreuth. Den Mittelstand in Oberfranken zu fördern, war und ist ihm ein Anliegen. „Ich habe wunderbare Unternehmer kennengelernt“, so Böhler. „Und es hat mir viel Spaß gemacht, auch außerhalb der Universität für diese Region zu arbeiten.“

Es steht nicht zu befürchten, dass es Heymo Böhler nach seinem Schritt in den Ruhestand langweilig werden könnte. Er hat einen großen Garten. Er ist ein Familienmensch. Und er kocht leidenschaftlich gerne. „Wenn ich noch mal eine Veröffentlichung wage, dann wird es ein Kochbuch.“ Und dass ihm nicht bange ist vor dem letzten Tag, zeigt der Eintrag in seinem Kalender am 31. März 2010. Das steht nur „Halleluja“. (Uni Bayreuth)



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