10. Februar 2010, Aktuelles, TU Chemnitz

Geschichte des Valentinstag

Rosen, Chrysanthemen, Margeriten: Jedes Jahr am 14. Februar sprechen Blumengeschenke die Sprache der Verliebten. Auch Kartengrüße, herzförmige Kleinanzeigen und kleine Geschenke bewirken an diesem Tag einen spürbaren Konjunkturschub in einigen Bereichen der Wirtschaft. “Zu behaupten, dass der Valentinstag nur eine Erfindung der Blumenhändler sei, ist aber unfair”, meint Prof. Dr. Gerhard Dohrn- van Rossum, der an der TU Chemnitz die Geschichte des Mittelalters lehrt. Als Heiligentag sei der Valentinstag sehr alt. “Die Blümchen und Herzchen in allen möglichen Formen entsprechen eher jüngeren englischen und amerikanischen Bräuchen, die sich nach dem Weltkrieg in Deutschland verbreiteten”, erklärt der Historiker.

Die wahre Bedeutung solcher Tage sucht man heute in ihrer Geschichte: je älter, desto besser und hilfreicher. Es gilt aber auch: Je weiter zurückgefragt wird, umso vielschichtiger werden die Antworten.
“Festtraditionen verbinden sich, historische Figuren wachsen zusammen. Geschichtliche Vorgänge, Glauben und Aberglauben bilden ein kaum zu entwirrendes Knäuel”, so der Chemnitzer Experte des Mittelalters.

Prof. Dohrn-van Rossum bringt aber zugleich etwas Licht in die Sache:
“Der Valentin des Valentintages ist ziemlich sicher der am Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts unter dem Kaiser Claudius Goticus (268-270 n. Chr.) in Rom hingerichtete Bischof von Terni. In der Leidensgeschichte dieses Märtyrers wird berichtet, dass er nach Rom zu einer Krankenheilung gerufen worden sei und dort viele Bürger zum Christentum bekehrt habe. Nach seiner Enthauptung hätten ihn drei Bekehrte in der Nähe seiner Heimatstadt am 63. Meilenstein, also etwa beim Straßenkilometer 94 der nach Norden zur Adria führenden Via Flaminia bestattet. Schon im 4. Jahrhundert wurde er nicht nur in Terni, sondern auch in Rom als Märtyrer verehrt; jedenfalls habe Papst Julius I. dort eine Basilika zu Ehren eines Valentin errichtet. Sein Fest wurde am 14. Februar begangen, genau einen Tag vor dem Datum eines altrömischen Fruchtbarkeitsfestes, den Luperkalien. Solche Überformungen heidnischer Festdaten durch christliche Feiertage waren nicht selten und geschahen auch nicht zufällig.”

Weil man ihn gern mit dem späteren Valentin von Rätien (Graubünden) verwechselte bzw. gar nicht unterscheiden wollte, wurde der römische Valentin im Mittelalter zum Helfer gegen die “fallenden Krankheiten” wie Epilepsie oder Ohnmacht. Aber sein Tag war im immer noch heidnisch geprägten Volksglauben auch einer der so genannten Lostage, denen zukunftsbestimmende Bedeutung im Guten wie im Schlechten zugeschrieben wurde. In vielerlei Form wurden Zufälle gerade dieses Tages – etwa der erste Bursche, den ein Mädchen am Morgen erblickt – zu Vorzeichen für spätere, glückliche Verbindungen. Daher heißt der Valentinstag auch “Vielliebchentag”. Paare wurden auch durch beschriebene Zettelchen ausgelost. Weil man glaubte, dass sich an diesem Tage die wilden Vögel zu paaren beginnen, wurde Valentin in England und Frankreich zum Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.”

Die Sitte, kleine Geschenke, mit Herzen verzierte Kärtchen und Blumen zu schicken, ist nach dem Krieg aus England und Amerika, wo die Beziehungen der Geschlechter stärker durch bedeutsame Tagesdaten markiert werden, zu nach Deutschland gekommen. Dass sich die eher kleine Industriestadt Terni in Umbrien zur Welthauptstadt der Liebenden erklärt, dass die Blumenhändler überall bei solchen Gelegenheiten mit fertigen Gebinden werben, ist nur allzu verständlich. Im Markt der vorgefertigten Liebesgrüße haben ihnen die Großen des allgegenwärtigen E-Commerce längst den Rang abgelaufen. Man braucht den Computerbildschirm gar nicht zu verlassen, um elektronische Grußkarten und E-Geschenke in herzförmigen Verpackungen an den Empfänger zu bringen und abbuchen zu lassen.
“Wer gerade keine Adressaten für Liebesgrüße hat oder für den 14.
Februar noch einen Date mit einer Valentine oder einem Valentin sucht, der kann ja im Internet zu einer der zahlreichen Kontaktanzeigen surfen”, empfiehlt der Chemnitzer Professor. (TU Chemnitz)



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