10. Februar 2010, Aktuelles, Uni Konstanz

Studie: Nachteile am Arbeitsmarkt für Bewerber mit türkischen Namen

Trotz Antidiskriminierungsgesetz und allgemein wachsender Integrationsbereitschaft werden Stellenbewerber mit ausländischen Wurzeln auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer eklatant benachteiligt. Das geht aus einer aktuellen Studie der Universität Konstanz hervor, die beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist.

Forscher der Universität Konstanz hatten in einem Feldversuch über 1000 Bewerbungen auf Praktikumsstellen für Wirtschaftsstudenten verschickt.

Dazu verwendeten sie inhaltlich gleichwertige Bewerbungsunterlagen, denen per Zufall ein Name eindeutig deutscher oder türkischer Herkunft zugeordnet wurde. Die fiktiven Bewerber hatten nicht nur vergleichbare Qualifikationen und Fähigkeiten, sondern waren zudem ausnahmslos deutsche Staatsbürger und Muttersprachler. Das Ergebnis: Bewerber mit türkischen Namen erhielten insgesamt 14 Prozent weniger positive Antworten.

In kleineren Unternehmen war die Ungleichbehandlung sogar noch
ausgeprägter: Hier hatten Bewerber mit türkisch klingenden Namen trotz gleicher Qualifikation eine um 24 Prozent geringere Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Die Autoren führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass Großunternehmen häufiger standardisierte Auswahlverfahren mit weniger Raum für subjektive Einschätzungen nutzen.

Im internationalen Vergleich stehen deutsche Arbeitgeber dennoch nicht so schlecht da: Ähnliche Studien belegen für Länder wie die USA, Großbritannien oder Schweden eine deutlich größere Benachteiligung ethnischer Minderheiten. Allerdings wurden im Feldversuch der Konstanzer Ökonomen ausschließlich Stellen für hochqualifizierte Bewerber untersucht. Es ist also denkbar, dass in Branchen, die weniger vom Fachkräftemangel betroffen sind, auch in Deutschland noch stärker diskriminiert wird.

Ein weiteres interessantes Resultat der Studie: Wurden Empfehlungsschreiben früherer Arbeitgeber mit der Bewerbung eingereicht, hatten die türkischstämmigen Bewerber annähernd gleiche Chancen. Die Ökonomen werten diesen Befund als Beleg für “statistische Diskriminierung”, die darauf beruht, dass Personalmanager die Persönlichkeitseigenschaften von Bewerbern türkischer Herkunft schlechter einschätzen können. Diese Beobachtung zeigt, wie wichtig es ist, den “Teufelskreis” der Diskriminierung zu durchbrechen. Erst wenn benachteiligten ethnischen Gruppen die Gelegenheit gegeben wird, sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen, können sie die Vorurteile gegenüber ihrer vermeintlich geringeren Eignung ausräumen. Im Sinne einer vollständigen Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern ist daher ein Umdenken seitens der Arbeitgeber notwendig, das sich durch Gesetze allein nicht erzwingen lässt. (Uni Konstanz)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:

Uni Konstanz verabschiedet Dual Career-Policy

Als erste deutsche Hochschule hat die Universität Konstanz offiziell eine Dual Career-Policy verabschiedet und veröffentlicht. Damit unterstreicht sie ihre Verpflichtung, Karrierepaare zu unterstützen und ihnen einen gemeinsamen Lebens- und Arbeitsort zu bieten. Kern der Policy sind allgemeinverbindliche und transparente Richtlinien…

Literatursuchmaschine KonSearch offiziell freigegeben

Seit einigen Wochen gibt es auf der Startseite der Universität Konstanz einen Suchbalken, über den man direkt in der Literatursuchmaschine KonSearch recherchieren kann. Wer Bücher, E-Books oder wissenschaftliche Artikel sucht, kann dies in KonSearch tun. Mit dieser neuen Suchmaschine hat…

Neuer Sonderforschungsbereich an der Uni Konstanz

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat mit Beschluss vom 22. November 2011 den Sonderforschungsbereich (SFB) 969 „Chemical and Biological Principles of Cellular Proteostasis“ an der Universität Konstanz bewilligt. Der neue SFB, der zwischen den Fachbereichen Chemie und Biologie angesiedelt ist und…

ERC Starting Grant für Dr. Nathan Weisz

„Brain-state dependent perception: finding the windows to consciousness“ lautet der Titel des Projekts, für das Dr. Nathan Weisz einer der begehrten ERC Starting Grants des European Research Council (ERC) erhalten hat. Dem im Bereich der Klinischen Psychologie der Universität Konstanz…

Gleichstellungsarbeit der Uni Konstanz weiter verbessert

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Gleichstellungsarbeit der Universität Konstanz mit der höchstmöglichen Stufe ausgezeichnet. Der Universität ist es damit gelungen, seit der letzten Beurteilung im Jahr 2009 um eine Stufe in die Spitzenposition aufzusteigen. Die Bewertungen der DFG reichen…

Weitere Beiträge zum Thema: