6. Mai 2010, Aktuelles, TU Dortmund

Eigenproduktion von Morphin bei Mäusen

Morphinspuren in Urinproben galten bislang als eindeutiger Hinweis auf Drogenkonsum oder den Verzehr mohnhaltiger Lebensmittel. Jetzt liefert eine Studie eines Wissenschaftlerteams des Instituts für Umweltforschung der TU Dortmund und des Pflanzen-Forschungsinstituts Donald Danforth Plant Science Center in St. Louis, Missouri einen Hinweis auf eine weitere mögliche Ursache: Sie konnten erstmals nachweisen, dass Mäuse – wahrscheinlich ebenso wie Menschen und andere Säugetiere auch – eigenes Morphin im Körper produzieren.

Für ihre Untersuchungen injizierten die Wissenschaftler den Mäusen fünf Tage lang markiertes Tetrahydropapaverolin (THP). Diese Chemikalie ist in der Mohnpflanze der Stoff, der in einem komplexen Prozess in mehreren Stufen zum Morphin umgewandelt wird. Und genau diese insgesamt 17 Zwischenstufen konnten die Wissenschaftler auch in den Mäusen nachweisen. „Die Tiere müssen also über ein ausgefeiltes Enzym-System verfügen, das sie in die Lage versetzt, eigenständig Morphin herzustellen,“ so Prof. Michael Spiteller vom Dortmunder Institut für Umweltforschung. Bis auf einen kleinen Unterschied in den frühen Stufen verläuft der tierische Umwandlungsprozess dabei wie bei den Mohnpflanzen. Die Evolution habe, so Spiteller, augenscheinlich zwei Wege gefunden, um Morphin zu produzieren.

Bisher ungeklärt ist, welchen Zweck die körpereigene Morphinproduktion hat. Morphin könnte den Nervenzellen zur Kommunikation untereinander diesen. Weiterhin ist es vorstellbar, dass die Tiere und möglicherweise auch der Mensch die Fähigkeit zur Bildung von Morphin z.B. unter Einfluss von Schock oder schwerer Verletzung als körpereigenes Schmerzmittel benutzen. Weitere Untersuchungen mit der Universitätsklinik in Köln sollen hierüber Aufklärung bringen. (TU Dortmund)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:
Bild: TU Dortmund

Ausbildungsprogramm für Aktuare an der TU Dortmund

Wer als gut bezahlter Aktuar, also als Risikoprüfer für Finanzkonzerne und Versicherungen, arbeiten möchte, bekommt mit dem Ausbildungsprogramm AKTUARDO der Technischen Universität Dortmund schon früh das nötige Fachwissen. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Fakultät sowie die Fakultät für Mathematik und die…

Bild: TU Dortmund

Gabriele Sadowski in den Vorstand der DECHEMA berufen

Gabriele Sadowski, Professorin an der Technischen Universität Dortmund, ist in den Vorstand der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. gewählt worden. Anfang des Jahres 2012 tritt die Inhaberin des Lehrstuhls Thermodynamik an der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen ihr…

Bild: TU Dortmund

TU Dortmund kooperiert mit Polnischer Akademie der Wissenschaften

Die Technische Universität Dortmund hat zwei Kooperationsverträge mit polnischen Wissenschaftseinrichtungen geschlossen: mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie mit der Technischen Universität Lodz. Unterzeichnet wurden beide Abkommen während eines Polenaufenthalts von Rektorin Prof. Ursula Gather und Prorektor Forschung Prof. Andrzej…

NRW-Innovationspreis für Prof. Sonja Herres-Pawlis

Prof. Sonja Herres-Pawlis erhält den mit 50.000 Euro dotierten Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Nachwuchs. Die Nachwuchsgruppenleiterin an der Fakultät Chemie der Technischen Universität Dortmund und Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München wird mit dem Preis für ihre herausragende…

TV-Lernsender nrwision wird vier weitere Jahre zugelassen

„nrwision – der tv-lernsender für nordrhein-westfalen“ wird für weitere vier Jahre zugelassen und gefördert. Das hat heute die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW in Düsseldorf beschlossen. Der landesweite Fernsehsender mit Sitz in Dortmund wird weiterhin vom Institut für Journalistik…

Weitere Beiträge zum Thema: