Erforschung von neuen Therapien gegen Lungenentzündung
Lungenentzündungen gehören zu den häufigsten lebensbedrohlichen Infektionen, jährlich erkranken allein in Deutschland bis zu 750.000 Menschen neu. Das Risiko ist besonders für ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Immunabwehr groß. Deshalb werden dringend neue Therapieansätze benötigt, die über die Gabe von Antibiotika hinausgehen, die wegen der zunehmenden Resistenzen bei vielen Patienten nicht mehr die gewünschte Wirkung entfalten. Mit neuen Therapien für Lungenentzündungen beschäftigt sich die Klinische Forschergruppe „Pneumonie – Molekulare Signaturen kompartimentalisierter und schrankenübergreifender alveolärer Infektion“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Lohmeyer (Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II).
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Forschergruppe bereits seit 2007 mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Nach der positiven Begutachtung durch ein Expertengremium wurde sie nun auch in die zweite Förderperiode aufgenommen und bekommt für weitere drei Jahre insgesamt 1,4 Millionen Euro vom BMBF.
Anlässlich des Beginns der zweiten Förderphase der Klinischen Forschergruppe Pneumonie besuchte der Parlamentarische Staatssekretär des BMBF, Dr. Helge Braun, Prof. Lohmeyer in Gießen, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren. „Die hiesigen Forscherinnen und Forscher am Fachbereich Medizin der Universität Gießen arbeiten sehr erfolgreich daran, die Wechselwirkungen zwischen den Erregern und der Lunge zu entschlüsseln. In der zweiten Förderphase sollen nun aus diesen Erkenntnissen neue Diagnose- und Behandlungsstrategien entwickelt werden. Da dies die Grundlage für verbesserte Therapien ist, wird das BMBF die Forschergruppe mit weiteren 1,4 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren unterstützen“, sagte Braun. „Die Infektionsforschung hat für die Bundesregierung eine hohe Bedeutung. Unser Ziel ist die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und klinischer Praxis, um die Ergebnisse rasch in therapeutische Maßnahmen umzusetzen. Erst wenn die Forschungsergebnisse beim Menschen ankommen, haben wir wirklichen Fortschritt.“
Die jetzt in der zweiten Dreijahresperiode bis 2013 geförderte Klinische Forschergruppe in der Klinischen Infektiologie betreibt interdisziplinäre Infektionsforschung zur Volkskrankheit Lungenentzündung. Ziel ist, über die Aufklärung der molekularen Krankheitsentstehung neue Therapien zu entwickeln. Die erfolgreiche Arbeit in der ersten Förderperiode hat die Gießener Forscher zum Kristallisationspunkt für weitere Förderungen in Verbundforschungsprojekten mit langfristiger Perspektive gemacht – beispielsweise die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich Transregio 84 und die Förderung durch das BMBF im Zoonose-Programm FluResearchNet.
Außerdem vertritt die Klinische Forschergruppe mittlerweile an zentraler Stelle den klinisch-infektiologischen Forschungsschwerpunkt in Forschungsprogrammen der Exzellenzinitiative des Bundes (Exzellenzcluster Kardio-Pulmonales System, ECCPS) und des Landes Hessen (LOEWE-Zentrum Universities of Gießen and Marburg Lung Centre, UGMLC). Sie erfüllt damit die vom BMBF vorgegebene Zielsetzung, international sichtbare Forschungsschwerpunkte in der klinischen Infektiologie in Deutschland zu schaffen mit Perspektiven für berufungsfähigen wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Fachgebiet.
Neben der Forschung wurde im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme in enger Kooperation mit der Medizinischen Mikrobiologie und Virologie auch das Lehrangebot im Fachgebiet der klinischen Infektiologie am Fachbereich Medizin der Universität Gießen wesentlich gestärkt. Schließlich gelang durch die strukturelle Etablierung der klinischen Infektiologie als eigenes Fachgebiet mit strukturierter Weiterbildung auch eine wesentliche Ausweitung und Verbesserung des Versorgungsangebots für Patienten mit Infektionserkrankungen am Standort Gießen des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Insbesondere konnten der Konsiliardienst – ein institutionalisiertes Angebot zur Beurteilung und Mitbetreuung von Patienten, das von anderen Ärzten angefordert werden kann – und die Weiterbildung infektiologischer Fachärzte erheblich ausgeweitet werden. In der zweiten Förderphase sollen diese erweiterte Facharztkompetenz und die verbesserte Infrastruktur nach dem Umzug in das neue Klinikumsgebäude genutzt werden, um das qualitätskontrollierte Versorgungsangebot für Patienten mit Infektionserkrankungen weiter zu optimieren.
Der Aufbau Klinischer Forschergruppen soll einerseits Ergebnisse aus der Grundlagenforschung rasch in die Klinik bringen, andererseits soll so die Qualität der Ausbildung von Ärzten und der Behandlung von Patienten gesteigert werden. Bisher wurden bundesweit fünf Klinische Forschergruppen in der Klinischen Infektiologie mit insgesamt 11,5 Millionen Euro durch das BMBF gefördert. (Uni Gießen)
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