Untersuchung der Gesellschaftsgeschichte der Mamluken
Die Mamluken, die von 1250 bis 1517 über Ägypten und Syrien herrschten, bildeten eine türkische Militäraristokratie, die sich ausschließlich aus ehemaligen Sklaven zusammensetzte. Nun wird ein internationales Team unter der Federführung der Uni Bonn die Gesellschaftsgeschichte der Mamluken genauer untersuchen. Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt dafür im Rahmen einer Kolleg-Forschergruppe einen Betrag von drei Millionen Euro zur Verfügung.
“Eine vornehmlich arabische Bevölkerung wurde beherrscht von einer durchweg turkstämmigen Elite freigelassener Militärsklaven, die sich durch ein sich selbst auferlegtes Gebot ständig zu regenerieren versuchte. Mamluk werden konnte nur ein außerhalb des islamischen Herrschaftsbereiches als Nichtmuslim frei geborener, dann versklavter, als Sklave nach Ägypten verbrachter, zum Islam konvertierter, in die Freiheit entlassener und schließlich ritterlich ausgebildeter Türke werden”, erklärt Professor Dr. Stephan Conermann, Leiter der Abteilung Islamwissenschaft der Universität Bonn und Sprecher der DFG-Kolleg-Forschergruppe. Diese Praxis führte sich auf den Umstand zurück, dass es Muslimen verboten war, Glaubensgenossen zu versklaven.
Die Mamlukenherrschaft als Erfolgsgeschichte
Nur wer diese Bedingungen erfüllte, war Mitglied der herrschenden Schicht mit allen dazugehörigen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Vorrechten. Innerhalb der mamlukischen Herrscherkaste bildete die kleinste Einheit die um einen bestimmten Herrn und Freilasser gescharte Ersatzfamilie. Die Nachkommen der Mamluken waren von der Herrschaft grundsätzlich ausgeschlossen. Stephan Conermann erklärt: “Die Kehrseite dieses Modells war die innermamlukische Rivalität zwischen den diversen Familien, die resultierende innere Zerrissenheit der mamlukischen Herrscherkaste insgesamt und im besonderen die Zwangsläufigkeit des Abschiedes von der Macht beim Sturz oder Tod des jeweiligen Protektors.”
Doch trotz dieser vorprogrammierten systemimmanenten Spannungen scheint die mamlukische Ein-Generationen-Militäraristokratie nicht zuletzt wegen ihrer Simplizität durchaus stabilitätsfördernd gewirkt zu haben. Professor Conermann erläutert: “Letzten Endes haben wir es mit einer auch im universalhistorischen Vergleich ganz ungewöhnlichen Polarisierung der spätmittelalterlichen ägyptischen (und syrischen) Gesellschaft in eine fremdstämmige, sich jede Generation erneuernde exklusive Herrscherkaste, und in eine autochthone Untertanenschaft, zu der sogar die Nachfahren der Mamluken zählten, zu tun”.
Neue Impulse für Mamlukenforschung
Die Kolleg-Forschergruppe gibt den 50 bis60 weltweit verstreuten Mamlukenforschern einen institutionellen Mittelpunkt. Konzeptionell stehen zwei Dinge im Vordergrund. Zum einen werden die Kollegiaten durch ihre individuellen Projekte den Mamlukenstudien nachhaltig Impulse geben. Darüber hinaus wird Professor Conermann, unterstützt durch eine Forschungsprofessur zur Geschichte der Mamlukenzeit, zusammen mit seinen vier Bonner Kollegen Prof. Dr. Mathias Becher (Mittelalterliche Geschichte), Prof. Dr. Ralph Kauz (Sinologie), Prof. Dr. Peter Schwieger (Tibetologie) und Prof. Dr. Reinhard Zöllner (Japanologie) die Mamlukologen in interdisziplinäre und innovative Fragestellungen einbinden. Hierzu sind thematische Jahresprogramme vorgesehen; im ersten Jahr geht es um das Mamlukenreich im “globalen” Kontext und um wirtschaftliche Interaktionsräume im zweiten Jahr. In den Folgejahren stehen “Herrschaft” im Mamlukenreich im transkulturellen Vergleich und kulturspezifische Erzählstrategien in mamlukenzeitlichen historiographischen Quellen im Fokus. Eine gezielte Förderung arabischer Nachwuchswissenschaftler findet in Form einer Stipendiatengruppe statt, die in das Kolleg eingebettet ist. (Uni Bonn)
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