2. Dezember 2011, Uni Bonn

Eweiterung des Nutzpflanzengartens der Uni Bonn

Die Universität Bonn wird im Zuge der Entwicklung des Campus Poppelsdorf ihren Nutzpflanzengarten deutlich ausbauen und erweitern. Der neue Direktor der Botanischen Gärten der Universität, Professor Dr. Maximilian Weigend, stellte jetzt das neue Gesamtkonzept der Universität für den Nutzpflanzengarten vor. Allein der Freilandbereich des Gartens soll danach um ein Viertel auf insgesamt 12.500 Quadratmeter wachsen. Zum ersten Mal seit 140 Jahren erfahren die Botanischen Gärten damit eine substanzielle Erweiterung. Außerdem ist die Errichtung eines modernen Schaugewächshauses für tropische und subtropische Nutzpflanzen geplant.

Im kommenden Jahr beginnen auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Versuchsfeldern zwischen Endenicher Allee und Carl-Troll-Straße die Bauarbeiten für den neuen Uni-Campus Poppelsdorf. Bereits in diesem Jahr fanden erste Erschließungsmaßnahmen statt. Der bisherige Nutzpflanzengarten verbleibt an der bisherigen Stelle und wird um eine Fläche von circa 2.500 Quadratmetern erweitert. Er soll künftig das südliche Entree des Campus bilden. Die gesamte Sammlung von Nutzpflanzen der temperierten Klimazone wird hier Platz finden – darunter auch die bedeutenden Erhaltungskulturen regionaler Nutzpflanzen, die die Universität Bonn hütet. Mit der Erweiterung wird der Verlust einer Teilfläche von circa 650 Quadratmetern mehr als kompensiert, die durch die Erschließung eines Rettungs-, Fahrrad- und Fußgängerwegs verloren gehen.

Neues Schaugewächshaus
Am Katzenburgweg sollen die Botanischen Gärten mit privater Hilfe eine neue Attraktion erhalten: Hier ist ein neues Nutzpflanzen-Schaugewächshaus vorgesehen, in dem die Sammlung tropischer und subtropischer Nutzpflanzen wie Muskatsbaum, Zuckerrohr, Zitronengras, Pampelmuse und Ananas ganzjährig bewundert werden kann. Es ersetzt eine Reihe kleiner baufälliger Gewächshäuser auf diesem Areal, die aus Sicherheitsgründen derzeit nicht öffentlich zugänglich sind. Das Vorhaben soll mit Hilfe der Universitätsstiftung und privater Gönner finanziert werden.

“Essbarer Campus”
Darüber hinaus wird der Nutzpflanzengarten den gesamten Campus Poppelsdorf in sein wissenschaftlich-didaktisches Konzept einbeziehen. So soll ein “essbarer Campus” entstehen, indem die Freiflächen zwischen den geplanten Neubauten mit Nutzpflanzen begrünt werden. Traditionelle rheinische Apfelsorten wie der Rheinische Krummstiel und die Rheinische Schafsnase sollen hier ebenso zum Einsatz kommen wie exotische, winterharte Obstgehölze und -sträucher. Auch ein alter Nussbaum, der dem Wegebau weichen muss, wird auf dem neuen Campus “weiterleben”: Er wird derzeit durch die Gärtner der Botanischen Gärten vermehrt, um seine Nachkommen für den erweiterten Nutzpflanzengarten sowie für den “essbaren Campus” einsetzen zu können. “Wir bauen also praktisch ,Studentenfutter’ an”, sagt der Direktor der Botanischen Gärten.

Erste Gebietsvergrößerung seit 140 Jahren
Bereits seit der Gründung der Universität im Jahr 1818 dienen die Anlagen rund um das Poppelsdorfer Schloss als Botanischer Garten der Forschung und Lehre. Der Nutzpflanzengarten gehörte früher zur Landwirtschaftlichen Hochschule Poppelsdorf, die 1934 als Landwirtschaftliche Fakultät Teil der Universität Bonn wurde. Im Jahr 2002 fusionierten der Botanische Garten am Poppelsdorfer Schloss und der Nutzpflanzengarten zu einer zentralen Betriebseinheit der Universität. Mit derzeit über 2000 verschiedenen Nutzpflanzen ist der Nutzpflanzengarten der Universität Bonn in Deutschland die größte Lebendsammlung ihrer Art. Die Sammlung umfasst seltene und fast vergessenen Kulturpflanzen des Rheinlandes, aber auch Nutzpflanzen aus aller Welt – von der Ananas bis zum Zimtbaum.

Ziel der jetzt vorgestellten Konzeption ist es, den Nutzpflanzengarten für Forschung und Lehre in der Biologie sowie in den Agrar- und Ernährungswissenschaften optimal einsetzen zu können, seine einzigartigen Sammlungen auf Dauer zu sichern und als “Schaufenster der Wissenschaft” öffentlich zugänglich zu machen. “Für mich ist die erste Gebietsvergrößerung seit 140 Jahren ein deutliches Signal für die Wertschätzung, die den Botanischen Gärten innerhalb der Universität entgegengebracht wird”, sagt Professor Weigend. Mit der neuen Gesamtkonzeption schaffe die Universität eine “Achse der pflanzlichen Vielfalt”, die vom historischen Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss über das Schaugewächshaus und die Außenflächen des Nutzpflanzengartens bis hin zum neuen Campus reicht. Professor Weigend ist überzeugt: “Diese in Deutschland einzigartige Konzeption passt gut zu Bonn, der deutschen Hauptstadt der Biodiversität.” (Uni Bonn)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:
Bild: Barbara Frommann/Uni Bonn

Bonn: Stadt und Universität wollen enger zusammenarbeiten

Die Bundesstadt Bonn und die Universität Bonn wollen künftig enger zusammenarbeiten, um Wissenschaft und internationale Einrichtungen am Standort Bonn produktiv miteinander zu vernetzen. Das sieht ein Kooperationsvertrag vor, den Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Rektor Prof. Dr. Jürgen Fohrmann am 09….

Bild: Rolf Müller / UKB

Prof. Andreas Müller neuer Leiter der Neonatologie am Uni-Klinikum Bonn

Prof. Dr. Andreas Müller ist neuer Leiter der Frühgeborenenmedizin am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn. Als Leitender Oberarzt in der Bonner Universitäts-Neonatologie spezialisierte er sich unter anderem auf die Intensivmedizin bei Früh- und Neugeborenen. Neben der Betreuung Früh- und…

Forschungsprojekt: Mechanismen von Neurodermitis und Allergien

Grundlegende Mechanismen von Neurodermitis und Allergien untersucht ein Forscherteam des Universitätsklinikums Bonn mit Kollegen aus der Schweiz. Das Projekt wird vom Christine Kühne Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) gefördert. In den nächsten fünf Jahren fließen mehr als zwei…

Bild: Uni Frankfurt

Bewegungsmuster zur Touchscreen-Nutzung bei Kleinkindern

Ob Tablet-Computer oder Smartphone – Touchscreens lassen sich kinderleicht und intuitiv bedienen: berühren, wischen, zoomen. Bereits als Kleinkind erschließen wir uns diese sensomotorischen Fähigkeiten. Wenn Kinder zwischen acht und 13 Monaten beginnen, mit ihrem Zeigefinger den Brei auf der Tischplatte…

Rübenzystennematoden nutzen Sauerstoffradikale zur Nahrungsbeschaffung

Pflanzen haben im Lauf der Evolution „gelernt“, wie sie sich gegen Schmarotzer wehren können. Das Wachstum von parasitierenden Fadenwürmern unterbinden sie, indem sie mithilfe von Sauerstoffradikalen befallene Wurzelzellen absterben lassen. Rübenzystennematoden nutzen diese Abwehrstrategie des Wirts jedoch gezielt, um sich…

Weitere Beiträge zum Thema: