Bonn im Dinosaurier Fieber
Ganz Bonn ist im Dinosaurier-Fieber. Im Museum König hat gerade die neue Ausstellung “Dinosaurier – Giganten Argentiniens” ihre Pforten geöffnet. Das besondere: Die südamerikanischen Saurier sind wesentlich größer als ihre Artgenossen der nördlichen Halbkugel. Die 25 Exponate sind erst zum zweiten Mal überhaupt ausgestellt. Auch die Universität Bonn ist daran beteiligt. Professor Dr. Martin Sander vom Steinmann Institut hat die Aussteller unterstützt. Außerdem hat er 25 Studenten ausgewählt, die für die nächsten sechs Monate Besucher durch die Ausstellung führen werden. Schon drei Tage vor allen anderen durften sie die Riesen-Dinos sehen und wurden vom Professor höchst persönlich eingewiesen.
“Panphagia protos war ein Allesfresser”, erklärt Professor Martin Sander Studenten der Paläontologie und der Biologie vor einem Ausstellungsstück, das auch ein Gemälde sein könnte. Erst beim genaueren Betrachten erschließt sich, dass da ein Dinosaurier-Skelett in den Schiefer gepresst wurde. Der Leiter der DFG-Forschergruppe “Biologie der sauropoden Dinosaurier: Die Evolution des Gigantismus” vom Steinmann Institut der Universität Bonn beobachtet das Exponat fasziniert. Es wurde zwar schon vor drei Jahren gefunden, aber erst vor kurzem haben Wissenschaftler entdeckt, dass der kleine Dinosaurier Fleisch- und Pflanzenfresser war. Deshalb ist der Panphagia für den Bonner Dino-Experten so spannend.
Seine Studenten kleben an seinen Lippen. Katja Waskow studiert Paläontologie und arbeitet schon seit knapp drei Jahren mit Professor Sander. Zusammen haben sie schon einiges gesehen, doch beim Anblick der Riesen-Dinos leuchten auch ihre Augen. “Wenn man Paläontologie studiert, dann sieht man natürlich jede Menge Dinos, aber die Ausstellung hier ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Hier sind die größten Exemplare zu sehen und damit auch die spektakulärsten”, schwärmt die Studentin.
Sander bereitet seine Studenten an diesem Nachmittag auf die nächsten sechs Monate vor. Er erklärt ihnen die Besonderheiten der Ausstellung, zeigt ihnen, was neu ist. Zum Beispiel den größten Dinosaurier der Welt, den Argentinosaurus. Für ihn musste im Garten hinter dem Museum König ein Zelt errichtet werden. Mit acht Meter Schulterhöhe und 38 Meter Länge war nur hier Platz für ihn. Ein weiteres Highlight ist das Sauropoden-Nest mit Original Saurier-Eiern und ein Ei, das sogar einen versteinerten Embryo enthält. “Wenn ich das so sehe, das wäre für mich ein Grund, Forschungsgelder zu beantragen und eine Exkursion nach Argentinien zu machen”, erzählt Martin Sander.
Sander ist eine internationale Größe auf dem Gebiet der Dinosaurier-Forschung. Nicht umsonst leitet er die DFG-Forschungsgruppe 533, die den Gigantismus der sauropoden Dinosaurier untersucht. Das nächste Treffen des handverlesenen Forscherzirkels wird es im Museum König inmitten der südamerikanischen Exponate geben. “Das inspiriert”, erklärt der Dinosaurier-Experte.
Eigentlich hatten die Studenten zwei Stunden für die Einweisung geplant. Aber immer wieder fragen die jungen Forscher nach, wollen alles wissen. Ihr Chef gibt gerne Auskunft und gerät dabei oft selbst ins Schwärmen und schweift ab. Am Ende sind es dreieinhalb Stunden, und selten waren Studenten so froh, dass ihr Professor überzogen hat. “Das ist alles super spannend, und es ist toll, die Ausstellung schon Mal in Ruhe durchzugehen, denn es wird ja wahrscheinlich viel los sein. So werden wir gut auf die nächsten sechs Monate vorbereitet. Das ist der coolste Studentenjob der Welt”, erzählt Katja Waskow begeistert.
Bis zum 6. Juni 2010 werden Katja Waskow und ihre Kollegen bei den Besuchern der Führungen durch die Dinosaurier-Ausstellung keine Frage offen lassen. Professor Sander und sein Mitarbeiter Dr. Kristian Remes werden an ausgewählten Tagen zu speziellen Themen Experten-Führungen anbieten. Die Termine stehen bereits fest:
21.1.2010 Raubsaurier
25.2.2010 Sauropoden (Langhalssaurier)
25.3.2010 Aus dem Leben eines Dinosauriers – der Lebenszyklus 15.4. Fressen und gefressen werden – Nahrungsstrategien der Dinosaurier 27.5.2010 Evolution der Dinosaurier
(Uni Bonn)
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