12. Juli 2010, Uni Frankfurt

Adolf-Messer-Stiftungspreis 2010 für Viola Oertel-Knöchel

In einer Feierstunde am 8. Juli 2010 verliehen der Vorsitzende der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Prof. Wilhelm Bender und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl eine Reihe von Preisen für herausragende Diplom- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen. Die Akademische Feier der Freunde und Förderer ist jährlich eines der bedeutendsten inneruniversitären Ereignisse für die wissenschaftliche Nachwuchsförderung.

Der am höchsten dotierte Preis ist der 1994 von Dr. Hans Messer gestiftete Adolf-Messer-Stiftungspreis mit einem Preisgeld von 25.000 Euro. Der Preis richtet sich an promovierte Nachwuchswissenschaftler aus den Naturwissenschaften, die sich einem interdisziplinären, zukunftsweisenden Grundlagenthema widmen. Diesjährige Preisträgerin ist Dr. Viola Oertel-Knöchel. Sie erhielt den Preis für ihr Forschungsprojekt mit dem Arbeitstitel: „Das episodische Gedächtnis bei Patienten mit bipolarer affektiver Störung“, die das episodische Gedächtnis bipolarer (= manisch-depressiver) Patienten mit dem gesunder Kontrollpersonen vergleichen soll. Bezüglich beider Probandengruppen werden psychometrische, psychopathologische sowie kernspintomographische Daten des Gehirns erhoben. Die daraus zu gewinnenden Befunde zur kognitiven Leistung im episodischen Gedächtnis bipolarer Patienten könnten weiteren Aufschluss über die individuelle Psychopathologie und deren Ursache und Zusammenhang zu neurophysiologischen Auffälligkeiten geben.

Der alle zwei Jahr vergebene Dr. Paul und Cilly Weill-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Humanmedizin ging 2010 an Fumiyo Ikeda, PhD. Die Biochemikerin erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Forschungsarbeit „Specific recognition of linear ubiquitin chains by NEMO is important for NF-kappa-B activation“. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Rolle des Proteins Ubiquitin bei der Regulation von Entzündungen.
Mit insgesamt 10.000 Euro dotiert ist der seit 1969 verliehene Preis der Freunde und Förderer der Universität für den Naturwissenschaftlichen Nachwuchs. Er wird jährlich in drei Teilpreisen vergeben. Der mit 4.000 Euro dotierte erste Preis wurde in diesem Jahr gleich zweimal vergeben. Zum einen an die Physikerin Dr. Tetyana Galatyuk, zum anderen an die Informatikerin Dr. Judith Winter. Galatyuk erzielte in ihrer Dissertation wesentliche Beiträge zu Erforschung der Kernmaterie mittels virtueller Photonen (Dileptonen). Ihre Ergebnisse bilden die Grundlage für eine zukünftig bessere Beschreibung der Photonenstrahlung aus dichter Kernmaterie mit dem Ziel, eindeutige Signaturen neuer Phasen der Materie unter extremen Bedingungen zu entdecken.

Winters Arbeit „XML Retrieval in Verteilten Systemen“ beschäftigte sich praxisnah mit der Weiterentwicklung des Managements von Kollektionen digitaler Dokumente, die nach dem so genannten WWW-Standard XML (eXtensible Markup Language) strukturiert sind. Information Retrieval in XML-Dokumenten ermöglicht es, inhaltsbeschreibende Suchbegriffe zusätzlich mit Strukturangaben zur gezielteren Fokussierung der Suche anzureichern.
Den dritten Preis (2.000 Euro) erhielt der Pharmazeut Dr. Heiko Zettl. Er hatte sich im Rahmen seiner kumulativen medizinisch-chemischen Promotion mit der Profilierung von Derivaten der Pirinixinsäure als duale PPAR-alpha, gamma-Agonisten und als Inhibitoren von Schlüsselenzymen der Arachidonsäure-Kaskade beschäftigt. Diese grundlegenden Arbeiten besitzen insofern klinische Relevanz, als ein hoher Bedarf an innovativen oralen Antidiabetika und antientzündlichen Wirkstoffen besteht. In diesem Kontext spielen PPAR-Liganden eine wesentliche Rolle.
Überreicht wurde bei der Akademischen Feier weiterhin der mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Frankfurter Forschungspreis 2010 der Rudolf-Geißendörfer-Stiftung. Ziel der Stiftung ist die Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Würdigung von Einzelleistungen in der Chirurgie. Den Preis erhielt die Biologin Borna Relja für ihr Forschungsvorhaben zur diagnostischen Bedeutung der Fettsäure-bindenden Proteine bei der Früherkennung sekundärer Komplikationen nach Polytraumata. Hier spielt vor allem die Vorbeugung entzündlicher Komplikationen wie Sepsis und Multiorganversagen eine Rolle.

Der ebenfalls mit 5.000 Euro dotierte Werner-Pünder-Preis wurde von der internationalen Sozietät Clifford Chance gestiftet, um hervorragende Arbeiten zum Themenkreis „Freiheit und Totalitarismus“ auszuzeichnen. Er geht im Jahr 2010 zu gleichen Teilen an Dr. Thomas Ditt für seine Doktorarbeit zum Thema „Recht im Grenzland: Die Breslauer Rechtsfakultät in der NS-Zeit“ sowie an Dr. Michael Habersack mit seiner Dissertation „Homo catholicus im besten und weitesten Sinne. Eine politische Biografie des Biophysikers Friedrich Dessauer (1881-1963)“.
Den mit 5.000 Euro dotierten WISAG-Preis für die beste sozial- oder geisteswissenschaftliche Arbeit erhielt die Gesellschaftswissenschaftlerin Dr. Alexandra Rau für ihre Dissertation „Psychopolitik. Gouvernementalitätstheoretische Untersuchungen zu Macht und Subjekt in subjektivierten Arbeitsverhältnissen“. Sie entstand an der Professur der Soziologin Tilla Siegel, an der primär über die Soziologie industrieller Gesellschaften geforscht wird.

Mit 3.000 Euro dotiert ist der 2010 erstmals verliehene Ludwig Landmann-Preis. Er wird von der Nassauischen Heimstätte für eine herausragende sozial- oder geisteswissenschaftliche Studien- oder Abschlussarbeit im Themenfeld „Stadt und Gesellschaft“ verliehen, die sich konkret mit aktuellen Transformationsprozessen im urbanen Raum auseinandersetzen. Der Preis, der künftig alle zwei Jahre ausgeschrieben werden soll, geht im ersten Jahr seines Bestehens an die Humangeographin Verena Lichtenstein. Sie machte in ihrer Diplomarbeit „Hochqualifizierte Arbeitsmigranten in Frankfurt am Main. Globale Orte und alltägliche Lebensführung“ deutlich, dass die Mobilität und die transnationalen Biographien von Menschen mit Begriffen wie „Entwurzelung“ und „Heimatlosigkeit“ versus „Sesshaftigkeit“ nicht sinnvoll erfasst und verstanden werden können. Im Hinblick auf aktuelle Stadtpolitik kam sie deshalb zu dem Schluss, dass die hohe Fluktuation von hochmobilen Arbeitsmigranten als Norm anerkannt werden muss und nicht als fehlendes Engagement oder als fehlende lokale Verantwortung dieser Personengruppe missverstanden werden darf.

Den Procter & Gamble Nachhaltigkeitspreis 2010 (3.000 Euro) teilten sich zu gleichen Teilen Vera Holland und Joel Fourier. Die Biologin Holland untersuchte im Projektbereich „Anpassung und Klima“ des Biodiversitäts- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt (BiKF) die Photosynthese-Leistung von Eichenhybriden und ihrer Elternarten im Winterhalbjahr und lieferte somit einen Beitrag zur Klärung der Frage, ob Eichen aus dem Mittelmeerraum die mitteleuropäischen Waldbäume der Zukunft sein könnten.
Der Soziologie Fourier hingegen erhält den Preis für seine an der Nachhaltigkeitsthematik orientierte Magisterarbeit „Gesellschaft, Natur und Wirtschaft im Spannungsverhältnis – Interessenskonflikte in einer Region Perus“. Über den Procter & Gamble Förderpreis (1.500 Euro) konnte sich schließlich der Chemiker Christian Czech freuen; er untersuchte in seiner Bachelorarbeit, inwiefern die zu den wichtigsten organischen Spurengasen gehörenden Terpene und deren Folgeprodukte an Eisoberflächen adsorbiert werden können. Aus geschmolzenen Eiskristallen entsteht in unseren Breiten Regen – organische Spurengase, die in der Atmosphäre vorhanden sind, können an diese Eiskristalle binden und dadurch aus der Atmosphäre auswaschen werden. Es war jedoch bislang nichts darüber bekannt, ob die Gase bevorzugt an der Oberfläche der Kristalle adsorbieren oder beim Entstehen der Eiskristalle in die Kristalle eingeschlossen werden.

Der Friedrich-Sperl-Preis zur Förderung der Geisteswissenschaften wird für hervorragende geschichtswissenschaftliche Arbeiten verliehen. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr die Mediävistin Dr. Jessika Nowak für ihre Untersuchung zur Karriere des Renaissance-Kardinals Giovanni di Castiglione (ca. 1413-1460) in den Spannungsfeldern der europäischen Politik; sie erhielt ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.

Die Benvenuto Cellini-Gesellschaft, 1976 als Verein der Freunde und Förderer des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt gegründet, stiftet schließlich seit 2004 den mit 1.000 Euro dotierten Benvenuto Cellini-Preis. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr Dr. Tobias Frese für seine Dissertation „Bild und Wahrheit – das eucharistische Christusbild von der Spätantike bis ins Mittelalter“.
(Uni Frankfurt)



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