19. November 2009, Aktuelles, Uni Augsburg

Max-Planck-Medaille für Prof. Dr. Dieter Vollhardt

Mit ihrer höchsten Auszeichnung im Bereich der Theoretischen Physik würdigt die Deutsche Physikalische Gesellschaft die Beiträge des Augsburger Physikers zum Verständnis der mikroskopischen Vorgänge in magnetischen Materialien.

Augsburg – Am Anfang der Liste stehen im Jahr 1929 Max Planck und Albert Einstein. Über die seither vergangenen achtzig Jahre hinweg folgen siebzig weitere Namen, darunter Niels Bohr, Werner Heisenberg, Otto Hahn, Lise Meitner, Gustav Hertz oder Carl Friedrich von Weizsäcker. Für 2010 verzeichnet diese Liste seit heute den Augsburger Physiker Dieter Vollhardt als Träger der Max-Planck-Medaille, der über Deutschland hinaus bedeutendsten und international höchst angesehenen Auszeichnung auf dem Gebiet der Theoretischen Physik. Sie wird namentlich vergeben für solche Beiträge, die sich an Max Plancks Werk anschließen.

Wie die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) als Trägerin dieser Auszeichnung heute bekannt gab, erhält Prof. Dr. Dieter Vollhardt, seit
1996 Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Physik III/Elektronische Korrelationen und Magnetismus am Institut für Physik der Universität Augsburg, die Max-Planck-Medaille für seine Beiträge zur Festkörperphysik, insbesondere für seine Ableitung einer neuen ‘Dynamischen Meanfield’-Theorie für korrelierte Quantensysteme und andere wichtige Beiträge zum Vielteilchenproblem in der Quantentheorie Kondensierter Materie”. Vollhardts Forschungsergebnisse, so heißt es weiter, “dienen dem Verständnis der mikroskopischen Vorgänge in magnetischen und ‘elektronisch korrelierten’ Materialien, wie den Metalloxiden. Neben ihrer Bedeutung für die Grundlagenforschung ist Vollhardts Arbeit auch für Entwicklung neuer Materialien von Interesse.”

Die Verleihung der Max-Planck-Medaille wird am 17. März 2010 bei einem Festakt im Rahmen der 74. DPG-Jahrestagung in Bonn erfolgen. Für die unmittelbar vorausgehende Frühjahrstagung der DPG in Hannover ist Vollhardt eingeladen, einen Vortrag über sein Arbeitsgebiet zu halten.

Mit tiefem Respekt vor den früheren Preisträgern
Diese höchste deutsche Auszeichnung, die auch international außerordentlich angesehen sei und für ihn völlig unerwartet komme, sei eine ganz große Ehre. “Ich nehme die Max-Planck-Medaille dankbar und mit tiefem Respekt vor den früheren Preisträgern an”, so Vollhart in einer ersten Reaktion. Die Auszeichnung würdige seine wissenschaftlichen Arbeiten der letzten zwanzig Jahre, die er in Zusammenarbeit mit zahlreichen Mitarbeitern und Kollegen durchgeführt habe – insbesondere mit seinem ehemaligen Doktoranden Walter Metzner, der jetzt Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart ist; mit ihm zusammen habe er die Grundlagen der “Dynamischen Meanfield”-Theorie entworfen.

Dankbar für DFG-Förderung und ausgezeichnete Arbeitsmöglichkeiten

Das in der Würdigung der DPG erwähnte neue, tiefere Verständnis der mikroskopischen Vorgänge in magnetischen und elektronisch korrelierten Materialien sei vor allem auch durch Arbeiten im Rahmen des von der DFG seit zehn Jahren geförderten Sonderforschungsbereichs 484 an der Universität Augsburg ermöglicht worden. Vollhardt: “Für diese Förderung durch die DFG, die nun durch den jüngst bewilligten Augsburger SFB/Transregio “From Electronic Correlations to Functionality” fortgeführt wird, bin ich ebenso dankbar wie für meine außergewöhnlich guten Arbeitsmöglichkeiten am ‘Zentrum für Elektronische Korrelationen und Magnetismus’ des Instituts für Physik der Universität Augsburg.”

Zur Person: Prof. Dr. Dieter Vollhardt
Dieter Vollhardt studierte von 1971 bis 1976 Physik an der Universität Hamburg. Es folgte ein dreijähriger Forschungsaufenthalt bei Professor Kazumi Maki an der University of Southern California in Los Angeles
(USA) als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Während dieser Zeit beschäftigte er sich mit der Theorie kritischer Ströme im supraflüssigen Helium3 – dem Thema seiner Diplomarbeit (1977) und seiner Promotion (1979) an der Universität Hamburg. Von 1979 bis 1984 arbeitete Dieter Vollhardt als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Peter Wölfle – und von 1984 bis 1987 als Heisenberg-Stipendiat der DFG – am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik (Heisenberg-Institut) in München. In diese Zeit fallen mehrere Gastaufenthalte an Forschungseinrichtungen in den USA., u. a. am Institute for Theoretical Physics, Santa Barbara, und den Bell Laboratories, Murray Hill. 1984 habilitierte er sich an der TU München mit einer Arbeit über die Theorie korrelierter Fermisysteme. Im Jahr 1987 wurde Dieter Vollhardt auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik C und die Stelle eines Direktors am Institut für Theoretische Physik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen berufen. 1996 nahm er dann einen Ruf auf den neuen, vom Freistaat Bayern eingerichteten Lehrstuhl für Theoretische Physik III (Elektronische Korrelationen und Magnetismus) an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg an.

Vollhardts Forschungsgebiete sind die Theorie elektronischer Korrelationen und des Magnetismus, insbesondere die realistische Modellierung elektronisch korrelierter Materialien, ungeordnete Systeme sowie normal- und supraflüssiges Helium3. Er ist Autor (mit P. Wölfle,
Karlsruhe) des Buches “The Superfluid Phases of Helium3″ (Taylor & Francis, 1990). 1999 bis 2005 war er deutscher Vertreter in der Kommission C5 (Tiefe Temperaturen) der International Union of Pure and Applied Physics (IUPAP). Hier hat er an dem 2004 erschienen Buch “Physics Now” der IUPAP mitgearbeitet, das einen Überblick über den aktuellen Stand der Physik gibt.

Im Jahr 2006 wurde Dieter Vollhardt (zusammen mit A. Georges, G. Kotliar und W. Metzner) bereits für die Entwicklung und Anwendung der Dynamischen Molekularfeld-Theorie mit dem Agilent Technologies Europhysics Prize 2006 der European Physical Society ausgezeichnet (http://www.physik.uni-augsburg.de/theo3/Research/europhysics.de.shtml).

Dieter Vollhardt ist Sprecher des von der DFG am 1. Januar 2000, an der Universität Augsburg eingerichteten Sonderforschungsbereichs 484 “Kooperative Phänomene im Festkörper: Metall-Isolator-Übergänge und Ordnung mikroskopischer Freiheitsgrade”, der nach drei überaus erfolgreichen Förderperioden Ende dieses Jahres seine wissenschaftliche Arbeit abschließen wird. (Uni Augsburg)



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