1. Februar 2010, Aktuelles, Uni Jena

Studie zum Studium im Osten

Wenn sich Abiturienten aus Hamburg, Bayern oder Nordrhein-Westfahlen für ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule entscheiden, ruft das – auch knapp 20 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung – im Freundes- und Familienkreis häufig Erstaunen hervor und wird als „mutiger Schritt“ angesehen. „Die Hürde ist nach wie vor hoch“, weiß PD Dr. Eva Schmitt-Rodermund von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Noch immer seien westdeutsche Abiturienten nur selten bereit, an einer Hochschule in Ostdeutschland zu studieren, so die Studiendezernentin weiter. Doch die östlichen Bundesländer haben sich im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 dazu verpflichtet, in zunehmendem Maße gerade Studierende aus den Altbundesländern aufzunehmen. „Deshalb stellt sich nicht nur für uns an der Uni Jena die Frage, wie wir genau diese Zielgruppe für ein Studium gewinnen können“, so Schmitt-Rodermund.

Wo die Ansatzpunkte für ein zielgruppenorientiertes Hochschulmarketing liegen, das hat die Friedrich-Schiller-Universität in ihrer Studie „Jena – ausgerechnet…“ umfassend untersucht und deren Ergebnisse jetzt vorgelegt. Die Untersuchung des Dezernats Akademische und Studentische Angelegenheiten und des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung gibt Auskunft über die Motivation von mehr als 700 westdeutschen Studierenden an der Friedrich-Schiller-Universität, die sich für ein Studium in Jena entschieden haben. Analysiert wurden sowohl das Informationsverhalten der Studierenden, als auch der Bekanntheitsgrad bisheriger Marketingmaßnahmen der Universität sowie die Zufriedenheit der Studierenden mit Universität und Stadt.

„Hauptargument für ein Studium in Ostdeutschland ist die Gebührenfreiheit“, nennt Schmitt-Rodermund ein zentrales Studienergebnis. „Auch die Uni Jena punktet bei fast der Hälfte ihrer Studienanfänger aus dem Westen vor allem damit, dass das Studium hier gebührenfrei ist.“ Daneben spiele für die Befragten aber auch die „angenehme Entfernung“ zum Elternhaus eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidung, ebenso die „überschaubare Größe von Stadt und Universität“. Dabei gab die Mehrheit der Befragten der Universität Jena den Vorzug vor einer Hochschule, die in direkter Nähe zu ihrem Heimatort liegt. Neben Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin setzte sich die Uni Jena dabei vor allem gegen klassische Studienorte wie Heidelberg, Freiburg oder Münster durch.

Dass ihre Entscheidung für die Friedrich-Schiller-Universität richtig war, davon ist die große Mehrheit der Studierenden überzeugt: Neun von zehn Studierenden aus den Altbundesländern gaben in der Befragung an, ein Studium in Jena weiterempfehlen zu können. Über 80 Prozent würden sich sofort wieder sowohl für ihr Studienfach als auch die Jenaer Universität entscheiden. „Diese Ergebnisse belegen eindrücklich, dass der Schritt aus dem Westen Deutschlands an die Universität Jena wenig mit Mut zu tun hat, sondern sich für die große Mehrheit der hier Studierenden lohnt“, macht Uni-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke deutlich.

„In der Zufriedenheit der Studierenden und der daraus resultierenden Bereitschaft, Jena und seine Universität weiterzuempfehlen, liegt folglich ein Schlüssel für erfolgreiches Studierendenmarketing“, ist sich Studiendezernentin Schmitt-Rodermund sicher. Denn, so habe die Studie gezeigt, viele Studieninteressierte beziehen in ihre Hochschulwahl den Rat und die Empfehlung von gleichaltrigen Freunden und Bekannten ein und schätzen deren Urteil als „sehr wichtig“ für ihre Entscheidungsfindung ein. Dem Rat von Eltern oder Lehrern vertrauten dagegen weitaus weniger Studienanfänger. „Deshalb setzen wir weiterhin alles daran, unseren Studierenden hier beste Bedingungen zu bieten“, so Rektor Dicke. Schließlich seien zufriedene Studierende die besten Botschafter, um für Uni und Stadt zu werden. (Uni Jena)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:
Bild: Jan-Peter Kasper/FSU

Mathematikunterricht früher und heute

„Die Mathematik ist ein Spielzeug, welches die Natur uns zuwarf, um uns in diesem Jammertal zu trösten und uns zu unterhalten“, sagte einst der französische Mathematiker und Philosoph Jean-Baptiste le Rond D‘Alembert (1717-1783). Wie lässt sich dieses „Spielzeug“ Mathematik auf…

Bild: Matthias Kopp/FSU

Winterquartiere antarktischer Raubmöwen

Bei der Wahl ihres Winterquartiers zeigen sich antarktische Raubmöwen flexibel. Das belegt die Studie eines internationalen Forscherteams unter der Leitung des Polar-Ornithologen Dr. Hans-Ulrich Peter von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Demnach verbringt ein Großteil der Südpolar-Skuas, die zu den Raubmöwen gehören,…

Bild: Peter Scheere/FSU

Gehalt von trans-Fettsäuren bei Lebensmitteln

Eltern haben es nicht leicht. Besonders, wenn ihnen die gesunde Ernährung ihrer Sprösslinge am Herzen liegt. Greifen die lieben Kleinen doch besonders gern zu Pommes frites. Beliebt ist die Variante rot-weiß: mit Ketchup und Mayonnaise. Doch nicht nur als Dickmacher…

Bild: Jan-Peter Kasper/FSU

Uni Jena profiliert sich bei westdeutschen Studenten

Eine klassische Studentenstadt mit kurzen Wegen, gemütlicher Atmosphäre und einer traditionsreichen Universität – so wünschen sich viele westdeutsche Abiturienten den Ort für ihr Studium. Zwar denken die meisten von ihnen dabei zuerst an Städte wie Heidelberg, Tübingen oder Freiburg. Doch…

Bild: Jan-Peter Kasper/FSU

Steigerung der Effizienz von Solarzellen durch photonische Gläser

Dass die Sonne Energie im Überfluss – quasi frei Haus – liefert, das ist heute eine weit verbreitete Erkenntnis. Warum dennoch längst nicht jedes Dach mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist, liegt vermutlich vor allem an den hohen Investitionskosten. Künftig könnte…

Weitere Beiträge zum Thema: