Studie zum Studium im Osten
Wenn sich Abiturienten aus Hamburg, Bayern oder Nordrhein-Westfahlen für ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule entscheiden, ruft das – auch knapp 20 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung – im Freundes- und Familienkreis häufig Erstaunen hervor und wird als „mutiger Schritt“ angesehen. „Die Hürde ist nach wie vor hoch“, weiß PD Dr. Eva Schmitt-Rodermund von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Noch immer seien westdeutsche Abiturienten nur selten bereit, an einer Hochschule in Ostdeutschland zu studieren, so die Studiendezernentin weiter. Doch die östlichen Bundesländer haben sich im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 dazu verpflichtet, in zunehmendem Maße gerade Studierende aus den Altbundesländern aufzunehmen. „Deshalb stellt sich nicht nur für uns an der Uni Jena die Frage, wie wir genau diese Zielgruppe für ein Studium gewinnen können“, so Schmitt-Rodermund.
Wo die Ansatzpunkte für ein zielgruppenorientiertes Hochschulmarketing liegen, das hat die Friedrich-Schiller-Universität in ihrer Studie „Jena – ausgerechnet…“ umfassend untersucht und deren Ergebnisse jetzt vorgelegt. Die Untersuchung des Dezernats Akademische und Studentische Angelegenheiten und des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung gibt Auskunft über die Motivation von mehr als 700 westdeutschen Studierenden an der Friedrich-Schiller-Universität, die sich für ein Studium in Jena entschieden haben. Analysiert wurden sowohl das Informationsverhalten der Studierenden, als auch der Bekanntheitsgrad bisheriger Marketingmaßnahmen der Universität sowie die Zufriedenheit der Studierenden mit Universität und Stadt.
„Hauptargument für ein Studium in Ostdeutschland ist die Gebührenfreiheit“, nennt Schmitt-Rodermund ein zentrales Studienergebnis. „Auch die Uni Jena punktet bei fast der Hälfte ihrer Studienanfänger aus dem Westen vor allem damit, dass das Studium hier gebührenfrei ist.“ Daneben spiele für die Befragten aber auch die „angenehme Entfernung“ zum Elternhaus eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidung, ebenso die „überschaubare Größe von Stadt und Universität“. Dabei gab die Mehrheit der Befragten der Universität Jena den Vorzug vor einer Hochschule, die in direkter Nähe zu ihrem Heimatort liegt. Neben Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin setzte sich die Uni Jena dabei vor allem gegen klassische Studienorte wie Heidelberg, Freiburg oder Münster durch.
Dass ihre Entscheidung für die Friedrich-Schiller-Universität richtig war, davon ist die große Mehrheit der Studierenden überzeugt: Neun von zehn Studierenden aus den Altbundesländern gaben in der Befragung an, ein Studium in Jena weiterempfehlen zu können. Über 80 Prozent würden sich sofort wieder sowohl für ihr Studienfach als auch die Jenaer Universität entscheiden. „Diese Ergebnisse belegen eindrücklich, dass der Schritt aus dem Westen Deutschlands an die Universität Jena wenig mit Mut zu tun hat, sondern sich für die große Mehrheit der hier Studierenden lohnt“, macht Uni-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke deutlich.
„In der Zufriedenheit der Studierenden und der daraus resultierenden Bereitschaft, Jena und seine Universität weiterzuempfehlen, liegt folglich ein Schlüssel für erfolgreiches Studierendenmarketing“, ist sich Studiendezernentin Schmitt-Rodermund sicher. Denn, so habe die Studie gezeigt, viele Studieninteressierte beziehen in ihre Hochschulwahl den Rat und die Empfehlung von gleichaltrigen Freunden und Bekannten ein und schätzen deren Urteil als „sehr wichtig“ für ihre Entscheidungsfindung ein. Dem Rat von Eltern oder Lehrern vertrauten dagegen weitaus weniger Studienanfänger. „Deshalb setzen wir weiterhin alles daran, unseren Studierenden hier beste Bedingungen zu bieten“, so Rektor Dicke. Schließlich seien zufriedene Studierende die besten Botschafter, um für Uni und Stadt zu werden. (Uni Jena)
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