3. Juni 2010, Aktuelles, Uni Hohenheim

WM Studie: Lieber Sofa als Public Viewing

Nur noch eine Woche bis zum WM-Start: die Ladenregale sind prall gefüllt mit Fanartikeln. Doch die Kauflaune der Deutschen ist deutlich geringer als 2006, so eine Studie des Lehrstuhls für Marketing I der Universität Hohenheim. Gerade mal 36 Euro wollen die Deutschen in diesem Jahr für WM-Artikel ausgeben. Große Nachfrage könnten allein Trikots, Fußbälle und Fahnen finden. Auch die Reiselust in südafrikanische Stadien sei gedämpft.

Der Countdown läuft: am 11. Juni ist Anpfiff für das erste Spiel der WM 2010 im Soccer City Stadion in Johannesburg. Nur noch wenige Tage bleiben den Deutschen sich auf das Großereignis vorzubereiten. Eine Studie von Marktforschern um Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing I macht im Vorfeld der WM weder besonders große Kauflaune noch große Reiselust in der Bevölkerung aus. Die Marktforscher prophezeien zudem weniger Interesse an den Spielen als 2006 – und eine Sofa-Veranstaltung statt Public Viewing Event.

Für die Studie befragten die Marketingexperten mit ihren Studierenden in fragebogengestützten Interviews deutschlandweit 1664 Personen. Abgefragt wurden das Interesse an Spielen, WM-Artikeln oder Reisen sowie das Zuschauerverhalten während der WM.

WM als Sofa-Veranstaltung
Öffentliche Plätze und Kneipen könnten in diesem Jahr bei WM-Spielen leer bleiben. Gemütliche Fernsehnachmittage vor dem heimischen TV-Gerät sieht das Team um Prof. Dr. Voeth stattdessen als wahrscheinlicher an. Fast neunzig Prozent der Befragten gaben an, die WM zu Hause vor dem Fernseher verfolgen zu wollen.

“Ein großes Public Viewing Angebot ist daher weniger zielführend und wird im schlechtesten Fall nur Millionen Euro verschlingen”, sagt Jeanette Loos, Projektleiterin der WM-Studie, und gibt damit vielen Kommunen recht, die in diesem Jahr bewusst auf die Ausrichtung von Public Viewings verzichtet haben.

Kauf- und Reiselaune im Keller
2006 gaben die Deutschen fast 70 Euro für Fanartikel und WM-Produkte aus. 2010 wollen sie laut Studie gerade mal die Hälfte für Fahnen, Hüte und Co. ausgeben: “Im Schnitt circa 36 Euro”, beziffert Co-Leiterin Sabine Schwarz die Kaufabsicht. Insgesamt seien außerdem nur die Hälfte aller Befragten überhaupt bereit Geld für Fan- und WM-Artikel zu investieren.

Für die WM extra nach Südafrika zu reisen, das ziehen laut Studie sehr wenige Deutsche in Betracht. “Weniger als ein Prozent der Befragten plant eine Reise zu einem der WM-Spielorte”, sagt Prof. Dr. Voeth. Gründe dafür machen die Marktforscher in den hohen Kosten für Flugtickets und der Angst vor mangelnder Sicherheit aus. “Fast neunzig Prozent der Befragten glauben, die Sicherheitslage in Südafrika sei schlechter als jene zur WM im eigenen Land”, untermauert Sabine Schwarz.

Erklären können die Marktforscher die gesunkene Kauf- und Reiselaune mit einem generell geringeren Interesse an der WM 2010 im Vergleich zu 2006. “Zwei Drittel der Befragten geben an, der WM 2010 ein wesentlich geringeres Interesse zu schenken, als der vor vier Jahren”, meint Jeanette Loos.

Erfolgsfaktor Nationalmannschaft
“Natürlich hängen die Kaufentscheidungen der Deutschen aber vom Abschneiden der Nationalmannschaft ab” sagt Jeanette Loos. Demnach könnte die Kauflaune steigen, würden sich die Deutschen in die Favoritenrolle kicken. “Glauben möchten die Befragten an ein Sommermärchen 2010 aber bisher noch nicht”, sagt Prof. Dr. Voeth: “Fast sechzig Prozent gehen davon aus, dass die Nationalmannschaft nicht über das Viertelfinale hinauskommt”. (Uni Hohenheim)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:
Bild: Uni Hohenheim

Studentinnen erfinden neuen fettarmen Fleisch-Snack

Er ist klein, rund und es gibt ihn in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen: Vier Studentinnen der Universität Hohenheim haben einen neuen Fleisch-Snack für zwischendurch erfunden – und damit beim Trophelia-Wettbewerb des Forscherkreises der Ernährungsindustrie (FEI) den zweiten Platz belegt. Der preisgekrönte…

Auswirkungen von Energiepflanzen auf die biologische Vielfalt

Enttäuschte Hoffnung: Naturschützer versprachen sich von der Bioenergie vielfältigere Fruchtfolgen und mehr Artenreichtum auf Deutschlands Feldern. Stattdessen setzte sich vorwiegend Mais als Monokultur durch. Die Auswirkungen von Energiepflanzen auf die biologische Vielfalt untersucht ein Landschaftsökologe der Universität Hohenheim. Auf zwölf…

Bild: Uni Hohenheim

Humboldt reloaded an der Uni Hohenheim

Raus aus dem Hörsaal, rein in die Forschung: Mit dem 8-Millionen-Projekt Humboldt reloaded will die Uni Hohenheim Studierende schon früh für die Forschung begeistern. Unter dem Motto „lehrendes Forschen und forschendes Lernen“ sind bereits 90 Einzelprojekte angelaufen. Alle Studiengänge sind…

Auf der Suche nach Hemmstoffen des Cholera-Erregers

Nach einigen Stunden tritt der Tod ein: Außer purem Glück half bisher nicht viel gegen die Cholera. Eine Mikrobiologin der Universität Hohenheim geht im Kampf gegen die Seuche nun neue Wege. Sie untersucht den Stoffwechsel des Erregers und ist dabei…

Bild: chocolat01_pixelio

Strategien zu artgerechter Nutztierhaltung

Eine Tierhaltung, die das Tier stärker in den Mittelpunkt stellt und gesellschaftlich breit akzeptiert ist: Dieses Ziel steht fest. Doch der Weg dorthin darf nicht unterschätzt werden, so das Ergebnis des Fachforums Nutztiere auf seiner 2. Veranstaltung an der Universität…

Weitere Beiträge zum Thema: