20. Juli 2011, Uni Augsburg

Unterschiede in der Grammatik der deutschen Standardsprache – Projekt

Im Rahmen eines internationalen Projekts, das von deutschen, österreichischen und schweizerischen Förderinstitutionen gemeinsam mit über einer Million Euro finanziert wird und am 1. August 2011 seine Arbeit aufnimmt, werden erstmals die nationalen und regionalen Unterschiede in der Grammatik der deutschen Standardsprache systematisch erforscht. Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Christa Dürscheid (Zürich), von Prof. Dr. Stephan Elspaß (Augsburg) und von Prof. Dr. Arne Ziegler (Graz). Die Ergebnisse werden in einem Handbuch dokumentiert, das für Sprachwissenschaftler und Sprachdidaktiker, aber auch für interessierte Laien konzipiert ist.

Die Grammatik des Standarddeutschen ist kein einheitliches System, sie weist vielmehr zahlreiche nationale und regionale Unterschiede auf. So finden sich in deutschsprachigen Zeitungen der Gegenwart ­ je nach Land oder Region ­ Varianten wie “ich bin / habe gestanden” (Perfektbildung) oder “die Parks / die Pärke / die Parke” (Pluralform), aber auch Unterschiede in Satzkonstruktionen wie “Gut, gibt es diese Untersuchung / Gut, dass es diese Untersuchung gibt”.

Das Vorkommen solcher Varianten hat in der Grammatikschreibung bislang kaum Beachtung gefunden. Diese Lücke soll durch das Forschungsprojekt “Variantengrammatik des Standarddeutschen” geschlossen werden. Ziel des Projekts ist es, auf der Basis eines breiten Korpus von Zeitungstexten aus allen Ländern und Regionen des zusammenhängenden deutschen Sprachgebietes grammatische Standardvariation in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Die Ergebnisse werden nicht nur für die Grammatikforschung relevant sein, sondern auch einen praktischen Wert für die Grammatikschreibung und den Sprachunterricht haben.

Das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit insgesamt 1,2 Millionen Euro durch drei Förderorganisationen aus Deutschland (Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG), Österreich (FWF ­ Der Wissenschaftsfonds) und der Schweiz (Schweizerischer Nationalfonds, SNF) finanziert. Die Förderung basiert auf dem sog. D-A-CH-Abkommen, das die Durchführung grenzübergreifender Projekte in diesen drei Ländern unterstützt.

Im Rahmen des Projekts werden Forschergruppen der Universitäten Graz (Österreich), Augsburg (Deutschland) und Zürich (Schweiz) in Kooperation mit Kollegen in Liechtenstein, (Ost-)Belgien, Luxemburg und Südtirol arbeiten; zudem können an den drei Standorten des Projekts in Zürich, Augsburg und Graz je zwei, insgesamt also sechs Promotionsstellen finanziert werden. Die Koordinationsstelle des Projekts (“Lead”) befindet sich an der Universität Zürich. (Uni Augsburg)



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