10. April 2012, Uni Hohenheim

Humboldt reloaded an der Uni Hohenheim

Raus aus dem Hörsaal, rein in die Forschung: Mit dem 8-Millionen-Projekt Humboldt reloaded will die Uni Hohenheim Studierende schon früh für die Forschung begeistern. Unter dem Motto „lehrendes Forschen und forschendes Lernen“ sind bereits 90 Einzelprojekte angelaufen. Alle Studiengänge sind beteiligt, jeder kann vom Projekt profitieren.

Sie bewerten Unternehmen, arbeiten mit Darmkrebszellen und entwickeln innovative Erfrischungsgetränke: Für viele Studierende aller Studiengänge beginnt mit dem Sommersemester der Forscheralltag. Unter der Anleitung von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften dürfen sie erstmals selbst einen Beitrag zur Forschung leisten und hinter die Kulissen wissenschaftlicher Arbeit blicken.

Das Projekt soll vor allem die Distanz zwischen Dozenten und Studierenden verkürzen: „Bei Humboldt reloaded sollen Ideen und Kreativität der jungen Forscher mit der Erfahrung der älteren zusammenspielen“, sagt Prof. Dr. Martin Blum, Initiator und Leiter des Projektes.

Für die Umsetzung stehen der Universität fünf Jahre lang 15,5 Stellen zur Verfügung. Finanziert werden sie aus dem Qualitätspakt Lehre des Bundes. Humboldt reloaded ist ein Teil des Studium 3.0 der Universität Hohenheim, einem Bündel preisgekrönter Projekte für mehr Qualität in der Lehre.

Studierende tragen zu neuen Erkenntnissen bei
Die Projekte selbst sind meist angegliedert an größere Forschungsarbeiten wie Promotionen oder Habilitationsschriften. Das heißt, auch die Ergebnisse fließen zum Großteil direkt in aktuelle Studien und Forschungen.

Einige Beispiele: Warum Frösche Sonnenbrand vermeiden sollten ist die zentrale Frage eines Projekts in der Embryologie. Hier wird erforscht, was die asymmetrische Verteilung der Organe im Körper verursacht. Dazu führen die Studierenden Versuche an wenige Stunden alten Frosch-Embryonen durch.

Ganz anders geforscht wird in der Kommunikationswissenschaft: Nächstes Mal lieber 3D?!? heißt ein Projekt, in dem es um die Wirkung von Kinofilmen geht. Dabei werden Testpersonen nach dem Ansehen von herkömmlichen und 3D-Kinofilmen befragt. Die jungen Forscher sollen herausfinden, ob erlebte Emotionen und gespeichertes Wissen nach der Betrachtung von 3D-Filmen größer sind als bei 2D-Filmen.

Praktischen Nutzen – auch für Hohenheim-Besucher – hat das agrarwissenschaftliche Projekt Raus aus dem Hörsaal, rein ins Feld: Hier erforschen die Studierenden die Agrar- und Naturlandschaft rund um das Schloss Hohenheim und planen einen Feldrundgangführer. Neben der agrarwissenschaftlichen Forschung lernen sie dabei auch Grundzüge von Zeit- und Projektmanagement kennen.

Zusatz-Stellen bieten mehr Betreuung
Die Humboldt reloaded Projekte werden außerhalb des normalen Curriculums angeboten. Das heißt, sie stellen ein zusätzliches Angebot für die Studierenden dar, ohne dass deswegen die Studierendenzahl erhöht wird.

„Uns war sehr wichtig, dass die neu geschaffenen Stellen nicht auf die Kapazität der Universität angerechnet werden und wir dieser Stellen wegen keine zusätzlichen Studierenden aufnehmen. Damit sind sie ein echtes Plus für die Betreuungsrelation“, sagt Prof. Michael Kruse, Prorektor für Lehre. „Nur so können sich die eingestellten Mitarbeiter auch wirklich intensiv um die Teilnehmer kümmern, sie auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereiten und richtig anleiten.“

Methodenwerkstatt sichert Qualität
Um die Qualität der Lehre innerhalb der Projekte zu gewährleisten und weiter zu verbessern, gehört auch eine Methodenwerkstatt zu Humboldt reloaded. „Lehrendes Forschen ist eine didaktische Herausforderung, auf die wir gezielt vorbereiten. Wir wollen die Projektleiter ganz individuell beraten, so dass jeder eine Lehr-Methode entwickeln kann, die für sein Projekt passt“, sagt die Leiterin der Methodenwerkstatt Julia Gerstenberg.

In der Methodenwerkstatt tauschen sich auch die Projektleiter unterschiedlicher Fachgebiete über ihre Erfahrungen aus.

Wissenschaftliche Tagung zum Abschluss
Um Notendruck zu verhindern werden die Projekte selbst nicht benotet. „Eine Bewertung findet in einem gewissen Sinn aber dennoch statt“, sagt Prof. Dr. Martin Blum und meint die wissenschaftliche Abschlusstagung im Oktober.

„Zu jedem Projekt wird ein wissenschaftlicher Abstract verfasst. Eine Jury entscheidet, zu welchen Abstracts ein Vortrag gehalten wird. Die übrigen Projekte präsentieren sich durch Poster, die bei der Tagung diskutiert werden können und sollen. Und am Ende winken Prämien für die besten.“

Begleit-Studien garantieren Erfolg
Begleitet wird Humboldt reloaded zudem von zwei Studien: Eine Evaluationsstudie, die das Projekt in der Entwicklung begleitet und verbessert. Die zweite Studie untersucht durch Befragungen von Teilnehmern und Unbeteiligten, wie weit Humboldt reloaded ins Bewusstsein von Dozenten und Studierenden vorgedrungen ist. Auch hier gilt: Die Ergebnisse sollen das Projekt ständig verbessern.

„Mit beiden Studien wollen wir sicherstellen, dass das Projekt sein Ziel erreicht und nachhaltig wirkt.“, meint Prof. Dr. Kruse. „Schließlich wollen wir kein kurzes Strohfeuer, sondern forschungsorientierte Lehre, die wir langfristig zu einem Markenzeichen Hohenheims entwickeln.“

Die Folgeanträge für eine Verlängerung des Projekts liegen schon in der Schublade. Damit könnten lehrendes Forschen und forschendes Lernen bis Ende 2020 weiter finanziert werden. „Das eigentliche Ziel ist aber, die Idee langfristig in die Studienpläne aufzunehmen und so tatsächlich die Lehre an der Uni Hohenheim zu reformieren“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Blum. (Uni Hohenheim)



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