22. April 2010, Aktuelles, TU Dortmund

Solution Selling zur Erschließung neuer Geschäftsfelder

Kunden im Jahr 2010 wollen nicht nur Produkte, sie wollen Lösungen. Sie wollen Individualität, zugeschnittene Angebote und eine gute Beratung, die nicht mit dem Kauf des Produktes endet. Im Fachjargon nennt sich das „Solution Selling“ und bietet insbesondere für mittelständische Unternehmen unterschiedlichster Branchen die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder zu erschließen. In einer soeben an der TU Dortmund erschienenen Studie fand das Forscherteam um Prof. Dr. David Woisetschläger heraus, dass gerade Apotheker und Optiker führend auf diesem Gebiet sind, der Bekleidungsfachhandel und die Energieversorger dagegen hinten anstehen.

Eine zunehmende Anzahl an Unternehmen hat die Zeichen der Zeit schon erkannt: zunehmend homogenere Leistungsangebote und eine starke Fokussierung auf den Preis als Marketinginstrument reichen heutzutage nicht mehr aus, um in den Augen der Konsumenten als einzigartig wahrgenommen zu werden. Vielmehr werden die Anbieter als zunehmend austauschbar beurteilt. Ein Ausweg aus diesem immer härter werdenden Kampf um niedrige Preise, so ist sich das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. David Woisetschläger sicher, ist die Neuausrichtung einer Firma als Lösungsanbieter, als „Solution Seller“.

Wenn man nach dem Umzug in eine andere Wohnung beispielsweise einen neuen Telefonanschluss benötigt, kann man diesen heutzutage bei einer Vielzahl von Anbietern bestellen. Wenn der ausgewählte Anbieter jedoch zusätzlich die Installation übernimmt, des Weiteren die Einrichtung des Kabelanschlusses und des W-Lans anbietet und man umfassend beraten wird, welche Internet-, TV- und Telefonpakete am besten passen, dann hat das Unternehmen nicht nur ein Produkt verkauft, sondern dem Kunden erfolgreich eine Lösung für mehrere Probleme bereitgestellt. Der Studie nach verbessert das nicht nur das Ansehen des Unternehmens in den Augen des Kunden, sondern hat noch viele andere positive Nebeneffekte: der Kunde wird wahrscheinlich auch beim nächsten Umzug auf dasselbe Unternehmen zurückgreifen und Freunden und Bekannten von seinen positiven Erfahrungen berichten – oftmals ein wichtiger Werbeeffekt.

Die wichtigsten Stellhebel des „Solution Selling“, die die Wirtschaftswissenschaftler an der TU Dortmund untersucht haben, sind der Umfang der Beratungsleitungen, das individuelle Zuschneiden der Leistungen auf die Kundenwünsche und die Integration verschiedener Leistungen in eine Paketlösung. „Stärkster Treiber ist dabei aber die Individualität“, sagt Prof. Dr. David Woisetschläger.

Apotheken und Optiker schnitten in der Studie der TU Dortmund als Gesamtbranche durchweg sehr gut ab: Beratung und Individualität werden bei den Apotheken seit jeher großgeschrieben.

Optiker punkten nicht zuletzt deshalb, weil sie ihren Kunden durch die Auswahl an Möglichkeiten, die vielfältige Beratung und auch den Service nach dem Kauf der Brille (Reinigung, Nachstellen der Bügel) ein Paket an Leistungen schnüren, bei dem sich der Kunde sehr gut aufgehoben fühlt. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Mitarbeiter, so die Studie. „Mitarbeiterqualifikation ist das A und O, um beim ‚Solution Selling’ erfolgreich zu sein“, sagt Prof. Dr. David Woisetschläger. Die Mitarbeiter müssen dabei neben fachlichen vor allem persönliche Qualifikationen mitbringen, um eine optimale Beratung des Kunden zu gewährleisten und ihm vermitteln zu können, dass man nicht nur die Produkte, sondern eine „Lösung“ verkauft.

Schlusslicht in Sache „Solution Selling“ sind die Energieversorger, was allerdings aufgrund der erst vor einigen Jahren umgesetzten Liberalisierung des Marktes kaum verwundert. Dass aber der traditionsreiche Bekleidungsfachhandel ebenfalls schlecht abschneidet, mag überraschen. Gerade bei den großen Ketten sollen Kunden vor allem über den Preis gewonnen und gehalten werden. Die Mitarbeiter sind oft nur Aushilfen und daher meist nicht in der Lage, Kunden kompetent zu beraten. Auch die Individualität, die viele Modegeschäfte gerne anpreisen, leidet unter der Massenfertigung von Kleidung: Nur 36 Prozent der Befragten hielten das Angebot des Bekleidungsfachhandels für individuell. Im Vergleich: Optiker schnitten in derselben Befragung mit fast 80 Prozent der Stimmen ab.

Der Studie nach ist die Möglichkeit, als „Solution Seller“ aufzutreten, von Branche zu Branche unterschiedlich einfach zu gestalten – grundsätzlich kann man sich aber immer, mit der richtigen Vorbereitung, als Lösungsanbieter etablieren und damit ein weiteres Vergleichsfeld, neben dem Preiskampf, eröffnen. Die Studie entstand an der Juniorprofessur für Dienstleistungsmanagement an der TU Dortmund und wurde von Prof. Dr. David Woisetschläger geleitet. Eine Executive Summary der Studie steht unter http://www.wiso.tu-dortmund.de/dlm zum Download bereit. Die vollständige Studie kann bei Prof. Dr. David Woisetschläger angefordert werden. (TU Dortmund)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Schreiben Sie einen Kommentar »



Das könnte Sie auch interessieren:
Bild: TU Dortmund

Ausbildungsprogramm für Aktuare an der TU Dortmund

Wer als gut bezahlter Aktuar, also als Risikoprüfer für Finanzkonzerne und Versicherungen, arbeiten möchte, bekommt mit dem Ausbildungsprogramm AKTUARDO der Technischen Universität Dortmund schon früh das nötige Fachwissen. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Fakultät sowie die Fakultät für Mathematik und die…

Bild: TU Dortmund

Gabriele Sadowski in den Vorstand der DECHEMA berufen

Gabriele Sadowski, Professorin an der Technischen Universität Dortmund, ist in den Vorstand der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. gewählt worden. Anfang des Jahres 2012 tritt die Inhaberin des Lehrstuhls Thermodynamik an der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen ihr…

Bild: TU Dortmund

TU Dortmund kooperiert mit Polnischer Akademie der Wissenschaften

Die Technische Universität Dortmund hat zwei Kooperationsverträge mit polnischen Wissenschaftseinrichtungen geschlossen: mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie mit der Technischen Universität Lodz. Unterzeichnet wurden beide Abkommen während eines Polenaufenthalts von Rektorin Prof. Ursula Gather und Prorektor Forschung Prof. Andrzej…

NRW-Innovationspreis für Prof. Sonja Herres-Pawlis

Prof. Sonja Herres-Pawlis erhält den mit 50.000 Euro dotierten Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Nachwuchs. Die Nachwuchsgruppenleiterin an der Fakultät Chemie der Technischen Universität Dortmund und Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München wird mit dem Preis für ihre herausragende…

TV-Lernsender nrwision wird vier weitere Jahre zugelassen

„nrwision – der tv-lernsender für nordrhein-westfalen“ wird für weitere vier Jahre zugelassen und gefördert. Das hat heute die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW in Düsseldorf beschlossen. Der landesweite Fernsehsender mit Sitz in Dortmund wird weiterhin vom Institut für Journalistik…

Weitere Beiträge zum Thema: